Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

— 16 königlichen Empfang bereiten, einen ſolchen, wie er dem Sohn eines Königs und den Töchtern des Marſchalls, Herzogs von Ligny, gebührt. Es iſt gar ſchön, jede Art von Luxus mit dem überſtrömenden Gefühl der Gaſtlichkeit zu verbinden.“ „Die Maxime iſt ohne Zweifel großartig,“ ſagte die Für⸗ ſtin, deren Gemüthsbewegung immer heftiger ward. „Schade nur, daß Sie nicht zur Ausübung derſelben die Minen von

Potoſi beſitzen.“

„Gut, daß Sie mich daran erinnern. Von einer Mine, die ſehr reich ſeyn ſoll, wollte ich mit der Frau Fürſtin ſpre⸗ chen. So bedeutend auch mein Vermögen ſeyn mag, ſo wäre es doch eine Kleinigkeit im Vergleich mit dem, welches jeden Augenblick unſerer Familie heimfallen kann; und wenn dieſer Fall eintritt, würde die Frau Fürſtin vielleicht meine von ihr ſogenannte königliche Verſchwendung entſchuldigen.“

Der Marquis von Aigrigny befand ſich in einer entſetzli⸗ chen Gemüthsſtimmung. Die Medaillenangelegenheit war ſo wichtig, daß er ſie ſelbſt dem Doctor Baleinier verheimlicht hatte, obwohl er ſeine Mitwirkung für eine Sache von uner⸗ meßlicher Wichtigkeit in Anſpruch nahm. Auch Herr Tripeaud war nicht davon unterrichtet. Die Fürſtin glaubte, aus den Papieren des Vaters von Adriana alle Spuren weggeſchafft zu haben, welche das Mädchen zur Entdeckung jener Ange⸗ liegenheit führen könnten. Und nun ſah der Abbé mit Ent⸗ ſetzen, daß Adriana um das Geheimniß wußte, und zittert bei dem Gedanken, daß ſie es veröffentlichen möchte. Die Fürſtin theilte das Entſetzen des geiſtlichen Herrn. Ihrer Nichte in die Rede fallend, rief ſie: „Fräulein, es gibt Familienangelegenheiten, die geheim gehalten werden müſſen. Ich weiß zwar nicht, was Sie da meinen, aber ich rathe

Ihnen, dieſen Gegenſtand fallen zu laſſen.“

„Ei! Frau Tante! Sind wir denn nicht hier im Familienkreiſe?

Wie hätten wir uns denn ſolche Artigkeiten ſagen können?“ „Das iſt einerlei! Wenn es ſich um ſtreitige Vermögens⸗

angelegenheiten handelt, dann iſt es vollkommen unnütz von

ihnen zu ſprechen, ſobald man nicht die Urkunden vor Augen hat.“

„Ei, wovon anders ſprechen wir denn ſeit einer Stunde, als von Vermögensangelegenheiten? Ich begreife wirklich nicht hr Staunen, Ihre Verlegenheit.“