Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Zumal vor Ihnen,“ verſetzte Adriana. „Verzeihen Sie, daß ich Ihr Ohr beleidigt habe. Sie fürchten, meine Lebens⸗ weiſe möchte die Freier fernhalten. Das iſt für mich ein Grund mehr, auf meiner Ungebundenheit zu beſtehen. Die Freier ſind mir ein Gräuel. Ich wünſche nichts mehr, als ſie ſcheu zu machen und ihnen die ſchlimmſte Meinung von mir beizubringen. Dazu gibt es kein beſſeres Mittel, als daß ich ſcheine, ſo zu leben, wie ſie ſelber leben. Ich rechne auf meine Launen, auf meine Narrheiten, auf me lingsfehler, um mich vor jeder langweiligen Ehebewerhüſg zu bewahren.“

„Dieſer Ihr Wunſch wird vollkommen erfüllt werden,“ erwiederte die Fürſtin, „wenn ſich unglücklicher Weiſe das Gerücht verbreiten ſollte, daß Sie das Vergeſſen alles An⸗ ſtandes ſo weit treiben, um acht Uhr Morgens nach Haus zu kommen, wie man mir geſagt hat. Aber ich will an eine ſo entſetzliche Sache nicht glauben.“

„Da haben Sie Unrecht,“ erwiederte Adriana. „Es iſt die Wahrheit.“ 1*

„Alſo, Sie geſtehen?“ rief die Fürſtin.

„Ich geſtehe Alles, was ich thue. Dieſen Morgen bin ich um acht Uhr nach Haus gekommen.“

„Meine Herren! Sie hören es!“ rief die Fürſtin.

„Ah!“ rief der Marquis mit einer Tenorſtimme. 4

„Ah!“ rief der Baron durch die Fiſtel.

„Ah!“ murmelte der Doetor mit einem tiefen Seufzer.

Als Adriana dies Lamento hörte, fühlte ſie ſich verſucht, zu reden und ſich zu rechtfertigen. Aber ein Zug verachten⸗ den Spottes um ihren Mund verrieth, daß ſie es unter ihrer Würde hielt.

„Alſo iſt es wahr!“ fuhr die Fürſtin fort. „O, Fräulein, Sie hatten mich daran gewöhnt, über nichts zu erſtaunen. Aber ein ſolches Benehmen bezweifelte ich noch. Es gehörte Ihre kecke Antwort dazu, um mich zu überzeugen.“

„Lügen habe ich ſtets für kecker gehalten, als die Wahrheit zu ſagen, Frau Fürſtin.“

„Und woher kamen Sie, Fräulein? Und warum — —2“

„Madame,“ unterbrach Adriana, „ich lüge nie. Aber ich

ſage auch nie, was ich nicht ſagen will. Es wäre eine Fe