macht und mich in die Zukunft verſetzte, dann ſah ich zau⸗ beriſche Welten, dann hatte ich ſo herrliche Geſichte, daß ich in göttlichem Entzücken mich der Erde entrückt wähnte.“
Bei dieſen letzten Worten ſtrahlte Adriana's Antlitz wie verklärt, und was ſie umgab, war nicht für ſie vorhanden. „Dann,“ fuhr ſie mit ſteigender Begeiſterung fort; „dann athmete ich eine reine, belebende und vornehmlich, eine freie Luft ein, — eine Luft, ſo geſund, ſo wohlthuend für die Seele! Anſtatt meine Schweſtern einem erniedrigenden Druck fühlloſer, ſelbſtſüchtiger Weſen unterworfen zu ſehen, einem Druck, welchem ſie die Untugenden der Sklaverei verdanken: die freundliche Spitzbüberei, die einnehmende Falſchheit, die alles verachtende Ergebung in ihr Schickſal, den Gehorſam mit Haß — ſtatt deſſen ſah ich ſie edel und aufrichtig, weil ſie frei waren, tren und ergeben, weil ſie wählen konnten, weder herriſch noch niederträchtig, weil ſie keinen Gebieter zu be⸗ herrſchen, noch ihm zu ſchmeicheln hatten, geliebt und geachtet, weil ſie aus einer unehrlichen Hand eine ehrlich gegebene zu⸗ rückziehen konnten. Und ich fühl' es, das ſind nicht bloß tröſtende Geſichte, es iſt eine heilige Hoffnung!“
Adriana war von ihrer Begeiſterung hoch emporgetragen worden — weiter als ſie wollte. Sie bemerkte nicht, wie
ihre Zuhörer ſich vergnügt einander anſahen, wie der Arzt
der Fürſtin zuflüſterte: „Vortrefflich! Wenn ſie ſich mit uns wider ſich verabredet hätte, könnte ſie nicht anders ſprechen 1“ — und wie der Abbé hinzufügte: „Wir müſſen ſie durch Härte auf den Punkt treiben, wo wir ſie brauchen.“
Slie hemmte ihren Gedankenflug, um ſich wieder auf die Erde
herabzulaſſen. Ihre Gereiziheit war in ihrer Begeiſterung verſchwunden und lächelnd fagte ſie zu Baleinier: „Nicht wahr, lieber Doetor, es iſt recht lächerlich, ſich dem Zauber gewiſſer Gedanken hinzugeben in Gegenwart von Leuten, die unfähig ſind, ſie zu verſtehen? Hier haben Sie eine ſchöne Gelegenheit, ſich über meine Ueberſpannung luſtig zu machen,
welche Sie mir zuweilen vorwerfen. Wie konnte ich mich ihr hingeben in einem ſo ernſten Augenblick! denn es ſcheint
hyier wirklich entſchieden Ernſt zu ſeyn. Aber Sie wiſſen ja,
lieber Herr Baleinier, wenn mir ein Gedanke in den Kopf 3
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