Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Es iſt Thatſache, daß Herr Tripeaud dieſe Ehre hat, warum, weiß ich nicht,“ unterbrach Adriana abermals mit verdoppeltem Stolz, ohne nur den Baron eines Blickes zu würdigen. „Aber meine Sache iſt nicht, Räthſel zu löſen. Frau Tante, ich wünſchte, Grund und Zweck dieſer Zuſam⸗ menkunft zu wiſſen.“

„Ihrem Wunſch ſoll willfahrt werden, Fräulein,“ antwor⸗ tet die Fürſtin. „Ich will mich bündig erklären. Sie ſollen 4 die Vorſchrift vernehmen, nach welcher Sie in Zukunft Ihr Betragen zu regeln haben, und wenn Sie ſich weigern, Sich derſelben zu unterwerfen mit dem Gehorſam und der Ehrer⸗ bietung, die Sie meinen Befehlen ſchuldig ſind, ſo werde ich ſehen, was ich weiter zu thun habe.“

Der herriſche Ton, in welchem dieſe Worte geſprochen wur⸗ den, wäre geeignet geweſen, ein bis dahin an faſt völlige Unabhängigkeit gewöhntes Maädchen außer ſich zu bringen. Allein, vielleicht wider Erwarten der Fürſtin, antwortete Adriana nicht heftig, ſondern ſah ſie feſt an und ſprach lachend: „Das iſt ja eine wahre Kriegserklärung. Das wird ſpaßhaft.“

„Es iſt von keiner Kriegserklärung die Rede!“ ſagte in

barſchem Ton der Abbé von Aigrigny.

„O, Herr Abbö!“ verſetzte das Fräulein, „Sie, ein ge⸗ weſener Oberſt, ſind gar zu geſtreng wegen eines Scherzes. Sie, der Sie dem Krieg ſo viel verdanken, der Sie in Folge des Kriegs ein franzöſiſches Regiment unter Ihren Befehlen gehabt, nachdem Sie ſich ſo lange gegen Frankreich geſchla⸗ gen, — verſteht ſich, bloß um die ſchwache und die ſtarke Seite des Feindes kennen zu lernen.“

Der Marquis erröthete. Er wollte antworten; aber die Fürſtin kam ihm zuvor und ſagte: „Wahrhaftig, Fräulein, eine ſolche Unſchicklichkeit iſt nicht zu ertragen!“

„Frau Tante, ich geſtehe mein Unrecht. Ich hätte nicht ſagen ſollen, daß das ſpaßhaft iſt, denn wirklich es iſt nichts weniger als das. Aber es iſt doch wenigſtens ſehr merk⸗ würdig und vielleicht ſelbſt — — — vielleicht ſelbſt etwas verwegen, und die Verwegenheit gefällt mir. Und da wir nun auf dieſem Boden ſtehen, da von einer Vorſchrift des Verhaltens die Rede iſt, welcher ich bei Straſe zu gehorchen