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„Das iſt meine Schuld. Statt Ihren Fantaſien nachzu⸗ geben, hätte ich Sie meine Gewalt härter empfinden laſſen ſollen. Aber der Augenblick iſt gekommen, Sie zur Unter⸗ würfigkeit zu bringen. Der ſtrenge Tadel meiner Freunde hat mir noch zu rechter Zeit die Augen geöffnet. Ihr Cha⸗ rakter iſt ſchroff, ungebunden und entſchloſſen. Er uuß ſich ändern, verſtehen Sie mich? — gutwillig oder gezwungen, Das ſage ich Ihnen.“
Bei dieſen, in einem herben Ton vor Fremden ausgeſpro⸗ chenen Worten, deren Härte nichts zu rechtfertigen ſchien, warf Adriana ſtolz den Kopf in die Höhe Aber ſie bezwang ſich und entgegnete lächelnd: „Sie fagen, Frau Tante, ich würde mich ändern. Man hat Bekehrungen geſehen — — ſo wunderlich!“
Die Fürſtin biß ſich in die Lippen. Der Marquis nahm das Wort und ſagte: „Eine aufrichtige Bekehrung iſt nie wunderlich, wie Sie ſagen; vielmehr iſt ſie ſehr verdienſtlich und giebt ein treffliches Beiſpiel.“
„Trefflich?“ wiederholte Adriana. „Das kommt darauf an. Denn wenn man ſeine Fehler in Laſter verkehrt — —“
„Was wollen Sie damit ſagen, Fräulein?“ rief die Fürſtin.
„Ich ſpreche von mir, Frau Tante. Sie werfen mir vor, unabhängig und entſchloſſen zu ſeyn. enn ich nun etwa heuchleriſch und boshaft werden ſollte/ ſehen Sie, da möcht' ich doch vorziehen, meine lieben rkleinen Fehler zu behalten, die ich wie verzogene Kinder liebe. Was ich habe, weiß ich; was ich haben würde, weiß ich nicht.“
Der Herr Baron Tripeaud nahm jetzt mit ſelbſtgenüg⸗ ſamer Miene das Wort und ſprach im Ton eines Weiſen: „Indeß, Fräulein Adriana, Sie können nicht leugnen, daß eine Bekehrung — —“
„Ich glaube,“ unterbrach Adriana voll Verachtung, „daß ſich Herr Tripeaud zwar nicht auf Bekehrung verſteht, wohl aber auf Verkehrung jeder Art von Dingen, in jede Art von Vortheil, durch jede Art von Mitteln. Der Herr muß dieſer Frage fremd beiben.“ Der Geldmann ſchöpfte neuen Muth aus einem Blick der Pürſtin und erwiederte: „Fräulein, Sie vergeſſen, daß ich die
Ehre habe, Ihr Beivormund zu ſeyn, und daß — —


