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„Die Sache iſt die,“ fuhr der Doetor fort: „Dieſe Frau von Sainte Colombe, die man anfangs für ſehr lenkſam ge⸗ halten, hat ſich ſehr widerborſtig in Betreff der Bekehrung gezeigt. Bereits hatten zwei Gewiſſensräthe die Hoffnung aufgegeben, ſie ſelig zu machen. In der Verzweiflung ließ Rodin den kleinen Philippon auf ſie los. Er iſt gewandt, zäh und von unbarmherziger Geduld. Er war der Mann, den man hier brauchte. Als ich Frau von Sainte Colombe † zu bedienen bekam, nahm Philippon meine Hülfe in Anſpruch, . die natürlich ſchon zum Voraus gewiß war. Wir verſtändig⸗ ten uns. Ich durfte ihn nicht im Entfernteſten zu kennen ſcheinen. Er mußte mich regelmäßig von allen Wandlungen im Gemüthszuſtande ſeiner Büßerin benachrichtigen, damit ich durch Anwendung unſchuldiger Medicamente (denn der Zu⸗ ſtund der Kranken iſt nicht gefährlich) ihr fühlbaren Wechſel von Wohl⸗ und Uebelbefinden verurſachen konnte, je nachdem ihr Gewiſſensrath mit ihr zufrieden war oder nicht. Und nun konnte er ihr ſagen: „Sehen Sie, Madame? Sind Sie auf dem guten Weg, ſo wirkt die Gnade auf Ihre Geſundheit, und Sie befinden ſich beſſer. Fallen Sie hingegen wieder auf den ſchlimmen Weg zurück, ſo empfinden Sie ein gewiſ⸗ ſes phyſiſches Mißbehagen. Sehen Sie, das iſt ein klarer Beweis von dem allmächtigen Einfluß des Glaubens, nicht allein auf die Seele, ſondern auch auf den Leib.“
„Es iſt freilich peinlich,“ bemerkte Herr von Aigrigng, ohne eine Miene zu verziehen, „zu ſolchen Mitteln greifen zu müſſen, um die Halsftarrigen dem Verderben zu entreißen. Aber man muß eben ſein Verfahren dem Verſtand und der Sinnesart der Individuen anpaſſen.“
„Uebrigens,“ fuhr der Doctor fort, „hat die Frau Fürſtin im Marienkloſter b.merken können, daß ich oftmals mit gutem Erfolg für die Ruhe und das Heil der Seele mancher unſe⸗ rer weiblichen Kranken, dies — ich wiederhole es — ſehr unſchuldige Mittel angewandt habe. Der Wechſel ſchwankt nur zwiſchen gut und minder gut. Aber ſo gering auch der Unterſchied ſey, er wirkt oft ſehr ſtark auf gewiſſe Gemüther. So war es auch bei Frau von Sainte Colombe. Sie war 3 auf einem ſo guten Weg phyſiſcher und moraliſcher Heil g daß Rodin den Philippon beſtimmen zu dürfen glaubt
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