— 1 —
„Ja,“ ſprach die Fürſtin, „dieſe Macht iſt groß, und um ſo furchtbarer und ſicherer, als ſie geheimnißvoll über die Gewiſſen und über die Gemüther ausgeübt wird.“
„Sehen Sie, Herminie,“ fuhr der Marquis fort „ich habe ein herrliches Regiment unter meinem Befehl gehabt. Oft habe ich den männlichen Vollgenuß des Befehlens empfunden. 6 Auf mein Wort ſetzten meine Reiter ſich in Bewegung, die 8
Trompeten ſchmetterten, meine von Goldſchnüren ſtrahlenden Ofnziere wiederholten im Galopp meine Befehle, alle dieſe wackeren, eifrigen, benarbten Soldaten gehorchten einem Wink von mir Ich fühlte mich ſtolz und ſtark, indem ich dieſe muthigen Herzen gleichſam in meiner Hand hielt und ſie be⸗ herrſchte, wie das Feuer meines Schlachtroſſes. Aber jetzt! Jetzt fühl' ich in mir, trotz unſeren böſen Tagen tauſendmal mehr Thätigkeit, dnſeheß Gewalt, Verwegenheit an der Spitze dieſer ſchwarzen und ſtümmen Miliz, welche maſchinenmäßig nach meinem Willen denkt, will, geht und gehorcht!“
„O, Sie haben Recht, Friedrich!“ bemerkte lebhaft die Für⸗ ſtin. „Man darf nur ein wenig überlegen, und man denkt 3 mit Verachtung an die Vergangenheit. Wie Sie, vergleich' ich die Vergangenheit oft mit der Gegenwart, und welche Be⸗ friedigung fühl' ich dann, daß ich Ihren Rath befolgt habe! . Ohne Sie würd' ich die erbärmliche und lächerliche Rolle =
ſpielen, welche einer vordem ſchönen und umflatterten Frau ½ nach ihrem Verblühen zugetheilt iſt. ⸗ Was ſollt' ich jetzt ma⸗ chen? Ich würde mich vergebens bemühen, an mich dieſe ſeliſ⸗ ſüchtige undankbare Welt zu feſſeln, dieſe rohen Männer,“ welche ſich nur inſofern ubre Weiber kümmern, als dieſe ihren Leidenſchaften dienen oder ihrer Eitelkeit ſchmeicheln können. Oder es würde mir das Hülfsmittel bleiben, ein ſogenanntes, angenehmes Haus zu halten für Andere — Feſte zu geben, d. h. einen Haufen Gleichgültiger bei mir aufzu⸗ nehmen und Gelegenheit zum Zuſammentreffen zu geben für junge Liebespaare, welche, jeden Abend von Salon zu Salon ſich einander nachgehend, bloß darum zu einem kommen, um ſich zuſammenzufinden. Es iſt wahrlich ein dummes Vergnü⸗ gen, dieſe aufgeſchoſſene, lachende, verliebte Jugend zu beher⸗ bergen, welche den Lurus und Glanz, womit man ſie umgibt
—
—— —


