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minie, haben Sie mir nicht etwas in Ihren Briefen verheim⸗ licht? Hat meine Mutter mich in ihren letzten Augenblicken verflucht?“
„Nein, Friedrich,“ antwortete die Fürſtin. „Beruhigen Sie ſich. Sie hätte Ihre Gegenwart gewünſcht. Aber bald haben ihre Vorſtellungen ſich verwirrt und in ihrem Delirium wa⸗ ren Sie es noch, nach welchem ſie rief.“
„Ja!“ ſagte der Marquis bitter. „Ihr mütterliches Ge⸗ fühl ſagte ihr ohne Zweifel, daß meine Gegenwart vielleicht ihr Leben retten könnte.“
„Ich bitte Sie, entſchlagen Sie ſich dieſer Erinnerungen. Dies Unglück läßt ſich nicht ungeſchehen machen.“ —
„Nochmals, wiederholen Sie mir! — iſt meine Mutter nicht höchſt ſchmerzlich durch meine Abweſenheit berührt wor⸗ den? Hat ſie nicht errathen, daß eine gebieteriſche Pflicht mich anderwärts hinrief?“
„Nein, nein! ſag' ich Ihnen. Als ihr Verſtand ſich ver⸗ wirrte, wußte ſie, daß Sie noch nicht bei ihr ſeyn könnten, weil die Zeit ſeit Abſendung ihres Briefs zu kurz geweſen war. Alle traurigen Einzelheiten, die ich Ihnen in dieſer Beziehung geſchrieben habe, ſind buchſtäblich wahr. Beruhi⸗ gen Sie ſich alſv.“
„Ja, mein Gewiſſen ſollte ruhig ſeyn. Ich habe meiner Pflicht gehorcht, indem ich meine Mutter aufopferte. Indeß mit dem beſten Willen habe ich es nicht zu der vollſtändigen Losſagung bringen können, die uns empfohlen wird in den furchtbaren Worten: „Wer nicht ſeinen Vater und ſeine Mutter und ſelbſt ſeine Seele haßt, der kann nicht mein Jünger ſeyn.“ ¹)
„Allerdings, Friedrich, ſind dieſe Entſagungen ſchmerzlich.
Aber, welchen Einfluß hat man auch dafür! welche Macht!“
Der Marquis ſchwieg einen Augenblick und ſagte dann: „Es iſt wahr. Was könnte man nicht opfern, um im Ver⸗ borgenen zu herrſchen über die Allmächtigen der Erde, welche ſichibar herrſchen! Die Reiſe nach Rom, von der ich ſo eben zurückkomme, hat mir einen neuen Begriff von unſerer furcht⸗ baren Macht gegeben.“
) Siehe die Anmerkungen am Schluß des Bandes.
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