Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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reichte ihr die Hand und ſagte mit bewegter Stimme: „Her⸗

Zweites Kapitel. Dy a 6

Den Abbé Marquis von Aigrigny haben wir bereits in der Straße Milieu⸗des⸗Urſins kennen lernen, aus welcher er etwa drei Monate früher plötzlich nach Rom berufen worden war. Derſelbe war jetzt mit ſeiner gewöhnlichen Zierlichkeit in tiefe Trauer gekleidet. Er trug kein Prieſterkleid. Sein wohlan⸗ liegender Ueberrock und ſeine, um die Lenden, ſehr enge Weſte, hoben gut ſeine feine Taille hervor. Seine Beinkleider von ſchwar⸗ zem Kaſimir, ließen ſeinen mit gefirnißten Halbſtiefeln wohl bekleideten Fuß ſehen. Seine Tonſur verſchwand in der na⸗ türlichen Glatze, welche durch Ausfallen eines Theils der Haare ſeines Hinterkopfs entſtanden war. Nichts in ſeiner Kleidung verrieth den Prieſter, ausgenommen der vollkommene Mangel des Bartes. Sein friſch raſirtes Kinn, ruhte auf einer hohen, breiten Halsbinde, die, militäriſch geknüpft, daran erinnerte, daß dieſer berühmte Prediger, dieſer thätige und einflußreiche Ordensvorſteher unter der Reſtaurativn an der Spitze eines Huſarenregiments geſtanden, nachdem er unter den Ruſſen den Krieg gegen Frankreich mitgemacht hatte.

Der Marquis war erſt an dieſem Sonntagmorgen angekom⸗ men, und hatte die Fürſtin nicht wiedergeſehen, ſeit der Zeit, wo ſeine Mutter, die verwittwete Marquiſe von Aigrigny, auf einem Landgut der Fürſtin bei Dünkirchen ſterbend, ver⸗ gebens ihren Sohn zu ſich gerufen hatte, um die Bitterkeit der letzten Augenblicke zu verſüßen.

Wir wiſſen, wie er, einem plötzlich von Rom eingetroffe⸗ nen Befehl die heiligſten Gefühle der Natur opfernd, nach dieſer Stadt abgereiſ't war, nicht ohne einiges Zaudern, wel⸗ ches Rodin bemerkte und anzeigte Dies Zaudern hatte ſei⸗ nen Grund in des Abbé Liebe zu ſeiner Mutter, dem einzi⸗ gen, reinen Gefühl, welches er in ſeinem Leben ſtets gehegt. Als der Kammerdiener ſich mit Frau Grivois beſcheiden entfernt hatte, trat der Marquis raſch auf die Fürſtin zu,