Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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— 53 — hatte. Dieſer Zug wird zugleich den heimtückiſchen, rachſüchtigen, unbarmherzigen Sinn dieſes Weibes ſchildern, dem Trotz zu bieten, Adriana von Cardoville unklug genug ſich entſchloſſen

hat e.

Unter den Leuten, welche mehr oder weniger über die Be⸗ kehrung der Frau von St. Dizier lächelten, befand ſich das junge, liebliche Paar, welches ſie vor ihrem ſchließlichen Rück⸗ tritt von der galanten Weltbühne ſo grauſamer Weiſe getrennt, und welches ſich ſeit jenem vorübergehenden Sturm mit neuer leidenſchaftlicher Liebe vereint, und ſeine Rache auf einige Witzeleien über die Bekehrung der Urheberin ihres Unglücks beſchränkt hatte. Es dauerte nicht lange, ſo traf dieſe beiden Liebenden ein entſetzlicher Schlag. Ein bis dahin blinder Gatte ward plötzlich durch anonyme Enthüllungen ſehend ge⸗ macht. Es erfolgte ein gräulicher Lärm, und die junge Frau des Erleuchteten war zu Grund gerichtet. In Betreff des Liebhabers kamen nur unbeſtimmte Gerüchte in Umlauf. Aber dieſe Gerüchte waren voll boshaft berechneter Verſchweigun⸗ gen, welche tauſendmal gehäſſiger erſchienen, als eine förm⸗ liche Anſchuldigung, welche ſich doch bekämpfen und zu nichte machen läßt. Und dieſe Gerüchte wurden mit einer Beharr⸗ lichkeit, mit einer ſo teufliſchen Geſchicklichkeit und auf ſo ver⸗ ſchiedenen Wegen verbreitet, daß allmählig von dem angeb⸗ lichen Liebhaber ſeine beſten Freunde ſich zurückzogen, weil ſie unbewußt unter den langſamen, unwiderſtehlichen Einfluß die⸗ ſes ewigen undeutlichen Geſumms kamen, welches etwa fol⸗ gendermaßen lautete: „Nun, Sie wiſſen? N. N.“ — „Nein.“ — „Schöne Sachen ſagt man von ihm!“ — „Iſt's möglich? Ei, was denn?“ — „Ich weiß es nicht. Schlimme Gerüchte, üble Nachreden.“ — „Teufel! das iſt aber arg. Das erklärt mir, warum er jetzt mehr als kalt aufnenommen wird.“ —

„Ich meines Theils werd' ihn in Zukunft meiden.“ — „Und

ich auch“ u. ſ. w. u. ſ. w. Die Welt iſt ſo, daß oft nicht mehr als ſolches Geſchwätz dazu gehört, um einen Menſchen zu brandmarken, dem große

Erfolge viele NReider gemacht haben. So erging es dem er⸗ wähnten Mann. Während der Unglückliche ſah, wie eine Leere ſich um ihn bildete, als er gewiſſermaßen fühlte, daß ihm der Boden unter den Füßen wich, wußte er nicht, wo er den un⸗