Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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5 Aus folgender Thatſache mag man die Sinnesart dieſes Weibes beurtheilen.

Noch ſehr einnehmend, wollte ſie ihr Weltleben mit einem letzten glänzenden Triumph beſchließen, gleichwie eine große Schauſpielerin ſich zu rechter Zeit von der Bühne zurückzu⸗ ziehen weiß, um Bedauern zu hinterlaſſen. Entſchloſſen, ihrer Eitelkeit dieſen letzten Troſt zu gewähren, wählte die Fürſtin geſchickt ihre Opfer. Sie ſuchte in der feinen Welt ein jun⸗ ges Paar aus, welches ſich gegenſeitig vergötterte, und ent⸗ führte mit hinterliſtigen Kunſtgriffen den Liebhaber ſeiner Ge⸗ liebten, einem reizenden Geſchöpf von achtzehn Jahren, wel⸗ ches ihn anbetete. Nachdem dieſer glänzende Erfolg weltkun⸗ dig geworden, verließ Frau von St. Dizier die Welt im vollen Glanz ihres Abenteuers. Nach mehren langen Unter⸗ redungen mit dem Abbé Marquis von Aigrigny, der damals ein Prediger von Ruf war, reiſte ſie plötzlich von Paris ab, und brachte zwei Jahre auf ihrem Landgut bei Dünkirchen zu, wohin ſie nur eine ihrer Kammerfrauen, Frau Grivvis, mitnahm.

Als die Fürſtin zurückkam, erkannte man die einſt ſo leicht⸗ ſinnige, verbuhlte, verſchwenderiſche Dame nicht wieder Die Umwandlung war vollſtändig. Das Hötel St. Dizier, vor⸗ dem der Freude, den Feſtlichkeiten, den Vergnügungen geöff⸗ net, ward ſtill und düſter. Statt der ſogenannten feinen Welt empfing die Fürſtin bei ſich bloß Frauen von berufener Fröm⸗ migkeit, und wichtige Männer, deren Namen man wegen der über⸗ triebenen Strenge ihrer religiöſen und monarchiſchen Grund⸗ ſätze oft naunte. Sie umgab ſich beſonders mit gewiſſen an⸗ geſehenen Mitgliedern der hohen Geiſtlichkeit. Eine weibliche Congregation ward unter ihre Obhut geſtellt. Sie hielt ſich einen Beichtvater, eine Kapelle, einen Almoſenier und ſelbſt einen Gewiſſensrath. Aber der letztere hatte ſeine Stelle in partibus, und ihr wahrer geiſtlicher Führer blieb der Abbé von Aigrigny. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die galanten Verhältniſſe beider zu einander längſt aufgehört hatten. Dieſe plötzlichen, vollſtändige, laut auspoſaunte Bekehrung erfüllte

die Meiſten mit Bewunderung und Ehrfurcht. Einige ſchärfer

Blickende lächelten.

Ein Zug unter tauſenden wird die furchtbare Macht ſchil⸗ dern, welche die Fürſtin ſeit ihrer Affiliirung mit dem Orden erlangt

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