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vorher vorgegangen iſt, weiß ich nicht; darauf kann ich ſchwö⸗ ren, Frau Grivvis.“
„Das iſt etwas anders. Sie werden ſich nach dem, was ich Ihnen eben geſagt habe, bei den andern Mädchen erkun⸗ digen. Sie mißtrauen Ihnen nicht und werden Ihnen Alles ſagen.“
„Ja, Frau Grivois.“
„Was hat das Fräulein dieſen Morgen gemacht, ſeitdem Sie dieſelbe zuerſt geſehen haben?“
„Sie hat durch Georgette einen Brief an Herrn Norval ſchreiben laſſen. Ich habe ſie gebeten, mir die Beſorgung zu überlaſſen, um einen Vorwand zu haben, hinauszugehen und aufzuſchreiben, was ich mir gemerkt hatte.“
„Gut. Und dieſer Brief?“
„Eben iſt Hieronymus damit weggegangen, um ihn auf die Poſt zu tragen.“
„Ungeſchicktes Ding!“ rief die Kammerfrau. Konnten Sie ihn nicht mir bringen?“
„Das Fräulein hat den Brief laut dictirt, ſo daß ich den ganzen Inhalt weiß, und ihn hier aufgeſchrieben habe.“
„Das iſt nicht einerlei! Es iſt möglich, daß eine verſpätete Abſendung des Briefs ſich als wünſchenswerth gezeigt hätte. Die Fürſtin wird ſehr ärgerlich darüber ſeyn.“
„Ich habe geglaubt, ich hätte es ſo am beſten gemacht,“ erwiederte Florine demüthig.
„Ich weiß wohl, daß es Ihnen an gutem Willen nicht fehlt. Seit ſechs Monaten iſt man mit Ihnen zufrieden. Aber dies Mal haben Sie einen ſehr dummen Streich gemacht.“
„Seyn Sie nachſichtig, Frau Grivvis!“ bat Florine, einen Seufzer unterdrückend. „Was ich thue, iſt ſehr peinlich.“
Frau Grivvis ſah das Mädchen ſcharf an und ſagte ſpöt⸗ tiſch: „Wenn Sie das meinen, ſo brauchen Sie es nicht fer⸗ ner zu thun. Wenn Sie Bedenklichkeiten haben, ſo hält Sie niemand. Sie können gehen.“
„Sie wiſſen wohl, daß ich nicht gehen kann,“ erwiederte
Florine erröthend und mit einer Thräne im Ange. „Ich bin abhängig von Herrn Rodin, der mich hierher gebracht hat.“
„Wozu alſo das Seufzen?“ 8
„Unwillkürlich,“ antwortete das Mädchen, „fühlt man Reue⸗ Das Fräulein iſt ſo gut, ſo vertrauensvoll!“ *
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