Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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„Sie ſehen, daß ich die Billigkeit liebe,“ fuhr Adriana fort, indem ſie auf die ſilberne Platte deutete. „Ein Maler ſetzt ſeinen Namen auf ſein Gemälde, ein Schriftſteller auf ſein Buch So will ich auch, daß ein Handwerker ſeinen Namen auf ſein Werk ſetze.“ N

„Alſo dieſer Name, Fräulein — —“ .

„Iſt der Name des armen Ciſelirers, der dies ſeltene Mei⸗ ſterwerk einem reichen Goldſchmied gearbeitet hat. Als dieſer mir die Vaſe verkaufte, wunderte er ſich über meine Sonder⸗ barkeit, faſt hätte er geſagt Ungerechtigkeit, als ich, nachdem ich mir den Urheber dieſes wundervollen Werks hatte nennen laſſen, darauf beſtand, daß deſſen Name, und nicht der des Goldſchmieds, auf den Sockel geſetzt würde. In Ermange⸗ lung des Reichthums ſoll der Arbeiter wenigſtens ſeinen ver⸗ dienten Ruhm haben. Finden Sie das nicht recht?“

Freundlicher konnte Adriana die Unterredung nicht einleiten. Der Schmied faßte Muth und antwortete: „Da ich ſelber Gehülfe bin, ſo muß ich von einem ſolchen Beweis von Billigkeit doppelt gerührt ſeyn.“

„Ich freue mich, daß Ihr erſter Blick auf jene Inſchrift gefallen iſt. Aber ſetzen Sie ſich gefälligſt,“ ſagte ſie leut⸗ ſelig, auf einen mit golddurchwirkter Purpurſeide überzogenen Seſſel deutend, und nahm ſelber Platz auf einem Plauderſtuhl von gleichem Ueberzug. Da Agricola zauderte und verlegen die Augen niederſchlug, deutete ſie, um ihn zu ermuntern, auf Lutine und ſagte ſcherzhaft: „Dies arme Thierchen, an wel⸗ chem ich ſehr hänge, wird mir ſtets ein lebendiges Andenken an Ihre Gefälligkeit ſeyn. Ihr Beſuch dünkt mich eine Sache von guter Vorbedeutung. Ein angenehmes Vorgefühl ſagt mir, daß ich Ihnen vielleicht nützlich ſeyn kann.“

„Fräulein,“ ſagte Agricola, „ich heiße Baudoin und bin Schmied bei Herrn Hardy im Pleſſis bei Paris. Geſtern haben Sie mir Geld angeboten, und ich habe es ausgeſchla⸗ gen. Heute komme ich, von Ihnen vielleicht zehn⸗, vielleicht zwanzigmal ſo viel zu erbitten, als Sie mir geſtern freigebig angeboten haben. Ich ſage Ihnen das von vorn herein, Fräulein, weil das mir am ſchwerſten fällt. Die Worte

aben mich auf den Lippen gebrannt; jetzt fühl' ich mich er⸗ leichtert.“ 3

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