„Ich weiß Ihre Bedenklichkeit zu würdigen,“ ſagte Adria⸗ na. „Aber wenn Sie mich kennten, würden Sie ſich unbe⸗ ſorgt an mich gewandt haben. — Wie viel brauchen Sie?“
„Ich weiß es nicht, Fräulein.“
„Wie? Sie wiſſen nicht, welche Summe?“
„Nein, Fräulein. Ich komme nicht bloß, die Summe zu begehren, ſondern auch die Angabe der Summe, welche ich brauche.“
„Erklären Sie mir das,“ ſagte Adriana. „Sie ſehen, trotz meinem guten Willen, errathe ich nicht ganz, was Sie meinen.“
„Fräukein, die Sache iſt die. Ich habe eine gute, alte Mutter, welche in ihrer Jugend ihre Geſundheit aufgeopfert hat, um mich und einen Findling zu erzirhen. Jetzt iſt an mir die Reihe, ſie zu erhalten, und ich vermag es glücklicher Weiſe. Aber ich vermag es nur durch meine Arbeit. Wenn ich ohne Arbeit bin, ſo iſt meine Mutter hülflos.“
„Ihrer Mutter ſoll es an nichts fehlen. Ich bekümmere mich um ſie.“
„Sie bekümmern ſich um ſie, Fräulein?“
„Gewiß.“
„Sie kennen ſie alſo?“
„Jetzt, ja“
„O, Fräulein!“ ſagte Agricola nach einer Pauſe gerührt,
„ich verſtehe Sie. Sie haben ein edles Herz. Die Mayeur
hatte Recht.“ „Die Mayeur?“ wiederholte Adriana und ſah den Schmied verwundert an. Agricola, der ſich ſeiner Freunde nicht ſchämte, fuhr herz⸗ haft fort: „Ich will Ihnen das erklären, Fräulein. Die Mayeux iſt eine arme, fleißige Nätherin, die mit mir erzogen worden iſt. Sie iſt verwachſen; darum wird ſie die Mayeux genannt. Sie ſehen, daß ſie in einer Beziehung eben ſo nie⸗ drig ſteht, wie Sie hoch ſtehen. Aber was das Herz, was das Zartgefühl betrifft, ſo bin ich überzeugt, Sie, Fräulein,
ſind eben ſo, wie dies arme Mädchen. Das war gleich ihr
Gedanke, als ich ihr erzählte, wie Sie mir geſtern die ſchöne Blume gegeben haben.“ Aufrichtig gerührt, erwiederte Adriana: „Ich verſichere Sie,
daß dieſe Vergleichung mir ſchmeichelt und mich mehr ehrt
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