und als ſolcher in der Gegend geachtet und geliebt iſt, verleumden wollten. Das iſt noch nicht Alles. Ich ſollte wöchentlich zwei Mal heimlich an Herrn Rodin Alles ſchreiben, was im Schloß vorginge. Ich muß übrigens bemerken, daß dieſe ſchmählichen Zumuthungen ſo gut wie möglich bemäntelt waren und verhüllt unter ſcheinbaren Vorwänden. Allein trotz der Bemäntelung iſt und bleibt die Sache, ſo wie ich die Ehre gehabt habe, Ihnen zu ſagen.“
„Beſtechung, Verleumdung und Angeberei! Ich kann an dieſe Menſchen nicht denken, ohne daß in mir die Vorſtellun⸗ gen von Finſterniß, Gift und garſtigem, ſchwarzem Gewürm erwachten. Wie viel lieber denke ich an die ſanften, ruhigen Geſichter Dupont's und ſeiner Frau!“ Nach dieſer Betrach⸗ tung fuhr Adriana fort zu leſen:
„Sie können ſich denken, Fräulein, daß wir keinen Augenblick geſchwankt haben. Wir werden Cardoville verlaſſen, wo wir ſeit zwanzig Jahren ſind; aber wir werden es als ehrliche Leute verlaſſen. Fräulein, wenn Sie bei einer der begüterten Perſonen, welche Sie ken⸗ nen, uns durch Empfehlung eine Stelle verſchaffen könn⸗ ten, ſo würden wir vielleicht, Dank Ihrer Güte, aus einer entſetzlichen Lage gerettet werden“
„Gewiß, die ehrlichen Leute ſollen ſich nicht vergebens an mich gewandt haben. Wackere Leute aus den Klauen des Herrn Rodin zu reißen, iſt eine Pflicht und ein Vergnügen. Es iſt recht und zugleich gefährlich, und ich trotze gern der Macht und der Unterdrückung.“ Adriana las weiter:
„Nachdem wir Ihnen von uns geſprochen haben, er⸗ lauben Sie uns, Ihren Beiſtand für Andere in Anſpruch zu nehmen, denn es wäre unrecht, nur an ſich zu den⸗ ken. An unſerer Küſte ſind zwei Schiffe geſcheitert, und nur einige Reiſende konnten gerettet und hieher gebracht werden. Ich und meine Frau haben Alles für ſie ge⸗ than, was ihr Zuſtand erforderte. Die meiſten von ihnen ſind nach Paris abgereiſt. Einer iſt zurück geblie⸗ ben, weil ſeine Wunden ihn bis jetzt verhindert haben, das Schloß zu verlaſſen und ihn auch wohl noch einige Tage hier zurückhalten werden. Dies iſt ein junger in⸗


