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auf einem Teller von vergoldetem Silber einen Brief. Adriana nahm den Brief, und während die Dienerinnen in ihrem Ge⸗ ſchäft des Ankleidens fortfuhren, las ſie denſelben. Er lau⸗ tete folgendermaßen: „Fräulein!
„Da ich Ihr gutes Herz und Ihren Edelmuth kenne, ſo erlaube ich mir, an Sie im Vertrauen zu ſchreiben. Zwanzig Jahre lang habe ich Ihrem Vater, dem Her⸗ zog von Cardoville, ehrlich und eifrig gedient. Das Schloß iſt verkauft, und ich und meine Frau ſtehen auf dem Punkt, fortgeſchickt zu werden, ohne daß wir irgend etwas hätten, wovon wir leben könnten. Das iſt hart in unſerem Alter!“
„Arme Leute!“ ſagte Adriana, ihr Leſen unterbrechend. „Mein Vater hat mir wirklich ſtets ihre Ehrlichkeit und Er⸗ gebenheit gerühmt.“ Sie las weiter:
„Es bliebe uns allerdings ein Mittel, unſere Stelle zu behalten. Aber dies Mittel beſtünde darin, daß wir eine Niederträchtigkeit begingen. Und mag kommen, was da wolle, weder ich, noch meine Frau wollen ein Brod eſſen, welches um dieſen Preis erkauft wäre.“
„Schön! ſchön!“ unterbrach ſich Adriana. „Immer die⸗ ſelben. Würdiger Sinn bei Armuth. Das iſt wie der Duft von Feldblumen.“
„Um Ihnen die Niederträchtigkeit begreiflich zu machen, welche man uns zumuthet, muß ich Ihnen vorerſt ſa⸗ gen, daß vor zwei Tagen Herr Rodin von Paris ge⸗ kommen iſt. ..“
„Ah! Herr Rodin? Der Seeretär des Abbé von Aigrigny? Da wundr' ich mich nicht weiter, daß es ſich von einer Falſchheit oder von finſteren Ränken handeln ſoll. Wir wollen ſehen.“ Adriana las weiter:
„Daß vor zwei Tagen Herr Rodin von Paris ge⸗ kommen iſt und uns angekündigt hat, das Gut ſey ver⸗ kauft, mit dem Bemerken, er könne uns das Verbleiben
auf unſerer Stelle zuſichern, wofern wir ihm behülflich wären, der neuen Eigenthümerin einen verrufenen Prie⸗ ſter zum Beichtvater zu geben, und falls wir zu dem Ende einen anderen Pfarrer, welcher ein wackerer Mann
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