Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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ihres Geſichts. Ihre feine Adlernaſe war leicht gekrümmt. Der Schmelz ihrer Zähne glänzte, und ihr rother Mund ſchien ſüße Küſſe, freudiges Lächeln und feine Leckerei zu begehren. Man konnte keine freiere, ſtolzere, zierlichere Haltung des Kopfs ſehen, als die ihrige, — Dank der großen Entfernung zwiſchen ihren Ohren und Schultern.

Wie geſagt, Adriana hatte rothes Haar, aber ſolches wie mehre bewunderungswürdige Frauenbilder von Tizian und von Leonardo da Vinci. Das flüſſige Gold konnte nicht lich⸗ ter flimmern, als ihr natürlich gelocktes, ſeidenweiches Haar, welches bis auf die Erde reichte, wenn ſie aufrecht ſtand, ſo daß ſie ſich darin verhüllen konnte, wie Aphrodite. In die⸗ ſem Augenblick beſonders war dies Haar reizend anzuſehen. Georgette, mit bloßen Armen hinter ihrer Gebieterin ſtehend, hatte mit Mühe in einer ihrer kleinen weißen Hände dieſen glänzenden Hauptſchmuck zuſammengefaßt deſſen Lichtglanz die Sonne noch verdoppelte. Als das hübſche Kammermäd⸗ chen dem elfenbeinernen Kamm durch die goldnen Wellen die⸗ ſes Haarwuchſes zog, da war es, als ob tanſend Funken aus demſelben hervorſprühten. Und Licht und Sonne ſpiegelten ſich in den zahlloſen Löckchen, welche, die Stirn frei laſſend, längs den Wangen Adriana's, auf ihren ſchneeweißen Buſen herabfielen.

Während Georgette ſtehend die Haare ihrer Gebieterin kämmte, hatte Hebe das eine Knie auf die Erde geſetzt und hielt auf dem andern den niedlichen Fuß Adriana's, den ſie mit einem kleinen Schuh vom ſchwarzem Satin bekleidete. Sie kreuzte die Bänder desſelben auf einem durchſichtigen ſeidenen Strumpf, welcher die roſige Weiße der Haut errathen ließ und den feinſten Knöchel zeigte, der ſich denken läßt. Hinter Hebe ſtand Florine und reichte Adriana einen duften⸗ den Teig, mit welchem dieſe leicht ihre Hände und ihre fei⸗ nen, an den Spitzen roſigen, Finger einrieb. Schließlich dürfen wir Lutine nicht vergeſſen, die, auf dem Schvoß ihrer Herrin liegend, ihre großen Rugen weit aufriß und die ver⸗ ſchiedenen Stufen des Ankleidens mit ernſthafter Aufmerkſam⸗ keit zu verfolgen ſchien.

Der Silberklang eines Glöckchens ertönte von Außen⸗ Auf ein Zeichen Adriana's ging Florine hinaus und brachte

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