Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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offenes Geſicht, einen ſo niedlichen, tadelloſen Wuchs, daß ihre Gebieterin ſie Hebe nannte. Ihr Kleid von blaßroſa Farbe hatte einen griechiſchen Schnitt und ließ Hals und Arme vollſtändig entblößt. Die Mienen aller dieſer Mäd⸗ chen waren fröhlich. Auf ihren Zügen ſah man nicht den Ausdruck mürriſcher Bitterkeit, widerwilligen Gehorſams, ab⸗ ſtoßender Vertraulichkeit oder niedriger Kriecherei, welche die gewöhnlichen Folgen der Dienſtbarkeit ſind. In dem Eifer, mit welchem ſie Adriana bedienten, ſchien eben ſo viel Zunei⸗ gung als Achtung zu liegen. Es ſchien ihnen das größte Vergnügen zu gewähren, ihre Gebieterin reizend zu machen. Man mußte glauben, ſie zu ſchmücken, ſey für dieſe Diene⸗ rinnen eine angenehme Kunſtarbeit, die ſie mit Luſt und Liebe und Stolz verrichteten. „

Die Sonne beleuchtete hell den dem Fenſter gegenüberſte⸗ henden Putztiſch. Adriana ſaß auf einem Stuhl mit niedriger Lehne. Sie trug ein langes Morgenkleid von blaßblauem, blätterförmig broſchirtem Seidenſtoff, welches mit einer flie⸗ genden Knotenſchnur um ihre Taille, fein wie die eines zwölf⸗ jährigen Kindes, befeſtigt war. Ihr Hals, zierlich wie der eines Vogels, war entblößt, ebenſo ihre unvergleichlich ſchö⸗ nen Arme und Schultern. Nur mit dem reinſten Elfenbein ließ ſich die blendende Weiße ihrer ſevengete Haut ver⸗ gleichen, über deren feſtes Gewebe einige in den Häaren hän⸗

gen gebliebene Waſſertropfen, gleich Kryſtallperlen äuf wei⸗ ßem Marmor, herabrollten. Der Reiz dieſer wunderbaren, den Rothen eigenthümlichen Hautfarbe, ward verdoppelt durch das dunkle Purpurroth ihrer feuchten Lippen, d ch das durchtheinende Roſenroth ihrer kleinen Ohren, iheb Rafen⸗ ſcheb und ihrer glänzenden Nägel. Ueberall, wo ihr reints, lebensvolles, warmes Blut die Oberhaut färben konnte, kün⸗ digte es Geſundheit und Ingendfriſche anu. Ihre großen ſammtſchwarzen Augen ſtrahlten bald von Geiſt und Witz, bald öffneten ſie ſich ſchmachtend zwiſchen zwei Franſen lan⸗ ger, gebogener Wimpern von eben ſo tiefem Schwarz wie ihre feinen ſchön gewölbten Brauen. Dunrch ein liebliches Spiel der Natur hatte ſie bei einem rothen aupthaar ſchwarze Brauen und Wimpern. Ihre Stirn, klein wie die der grie⸗