Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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Georgette wurde feuerroth, und konnte einen Ausdruck der Beſorgniß nicht bergen, welcher zum Glück von Frau Grivois nicht bemerkt ward, da ſie beſchäftigt war, über das Heil des von Lutine bedrohten Monſieur zu wachen. Das Mädchen überwand ſeinen Schrecken und entgegnete mit Zuverſicht: „Das Fräulein iſt ſehr ſpät zu Bett gegangen und hat mir verboten, vor Mittag zu ihr zu gehen.“

„Das mag ſeyn. Aber da ein Befehl ihrer Tante, der Fürſtin, vorliegt, ſo werden Sie, Mamſell, die Gefälligkeit haben, Ihr Fräulein auf der Stelle zu wecken.“

„Mein Fräulein hat von Niemand Befehle zu empfangen. Sie iſt hier in ihrem Hauſe, und ich werde ſie nach ihrem Befehl nicht vor Mittag wecken.“

„Nun, dann geh' ich ſelber hin,“ ſagte Frau Grivois.

„Florine und Hebe werden Ihnen nicht aufmachen. Hier iſt der Schlüſſel zum Saal, und nur durch den Saal kann man zum Fräulein kommen.“

„Was? Sie unterſtehen ſich, mich an Vollziehung der Be⸗ fehle der Fürſtin zu hindern?“

„Ja, ich unterſtehe mich, das große Verbrechen zu begehen, mein Fräulein nicht wecken zu wollen.“

„Da haben wir die Folgen der verblendeten Gutherzigkeit der Fürſtin gegen ihre Nichte!“ ſprach die Matrone zerknirſcht.

„Fräulein Adriana achtet nicht mehr die Befehle ihrer Tante

und umgibt ſich mit flatterhaften Mädchen, die ſchon in aller

Frühe aufgeputzt ſind wie Reliquienkäſtchen.“

„O, Madame! wie mögen Sie über den Putz läſtern! Sie,

die Ihrer Zeit die gefallſüchtigſte, flatterhafteſte unter den 8 Kammerfrauen der Fürſtin geweſen ſind. Das wird von Geſchlecht zu Geſchlecht bis auf den heutigen Tag hier im Hauſe erzählt.“

„Von Geſchlecht zu Geſchlecht?“ wiederholte die Kammer⸗ frau. „Klingt das nicht, als ob ich hundert Jahr alt wäre? Unverſchämtheit!“

„Ich ſpreche von Generationen von Kammerjungfern. Denn mit Ausnahme von Ihnen kann Eine höchſtens zwei bis drei Jahre bei der Fürſtin bleiben. Sie hat zu viele Qualitäten für die ärmen Mädchen.“

„Mamſell, ich verbiete Ihnen, ſich ſo über meine Gebie⸗

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