Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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— 133 — fühlendes Herz. Wenn wir auch getödtet werden, ſo tödten wir wenigſtens nicht.“

Bei dieſen Worten fuhr der Soldat empor und ſah den Prieſter verwundert an. „Sonderbar!“ ſagte er.

„Was denn, Vater?“ fragte Agricola.

„Was Gabriel da ſagt,“ erwiederte der Soldat, „das habe ich im Krieg empfunden, als ich älter ward.“ — Er ſchwieg einen Augenblick und fuhr dann in einem, bei ihm ungewöhn⸗ lichen, traurig ernſten Ton fort: „Seht Kinder, mehr als ein Mal, wenn ich am Abend nach einer großen Schlacht Schildwacht ſtand — allein, in der Nacht, im Mondſchein auf dem Schlachtfeld, das uns geblieben war und das mit ſieben⸗ oder achttauſend Leichen bedeckt lag, darunter Leichen von alten Kriegskameraden, dann fühlte ich, wie mir der Rauſch des Säbelns verging (denn es iſt ein Rauſch wie ein anderer) und ich ſagte für mich: „Da ſind einmal wieder Menſchen die Menge geſchlachtet. Wofür? wofür?“ — Wohl verſtan⸗ den, das hinderte mich nicht, am folgenden Morgen, wenn zum Angriff geblaſen ward, wieder zu ſäbeln, wie ein Menſch, der nichts ſieht und nichts hört. Und wenn ich dann wieder ermüdet meinen blutigen Pallaſch an der Mähne meines Pfer⸗ des abwiſchte, da kam mir wieder der Gedanke: „Ich habe ge⸗ tödtet — getödtet — getödtet. Wofür?“

Bei dieſem Rückblick des Soldaten in ſeine Vergangenheit ſahen Gabriel und Agricvla einander an. Der erſtere ſagte dann zu Dagobert: „Alle edlen Herzen empfinden das, was Sie in jenen feierlichen Stunden empfanden, wo der Rauſch des Ruhms verſchwunden war, und der Menſch nur die guten Regungen fühlte, welche Gott in ſein Herz gelegt hat.“

„Eben das, liebes Kind, beweiſ't, daß Du beſſer biſt als ich, denn dieſe edlen Regungen haben Dich nie verlaſſen. — Aber, wie biſt Du denn den Klauen der raſenden Wilden ent⸗ gangen, welche Dich ſchon gekreuzigt hatten ?“ .

Bei dieſer Frage Dagobert's erröthete und zitterte Gabriel.

Der Alte bemerkte es und ſagte: „Wenn Du auf meine Frage nicht antworten kannſt oder nicht darfſt, ſo denke, ich

hätte ſie nicht geſtellt.“ „Ich habe Ihnen und meinem Bruder nichts zu verhehlen,

erwiederte der Miſſionär mit bebender Stimme. „Nur möchte