Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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Es klopfte zweimal an der Thür der Dachkammer. Agricola erbebte, denn er dachte an einen Haftbefehl. Sein Vater be⸗ merkte dies nicht, indem er den Kopf nach der Thür wandte und rief: „Herein!“ Die Thür ging auf und herein trat Gabriel im ſchwarzen Prieſterrock und runden Hut. Agrievla flog in ſeine Arme und rief: „Bruder!“

„Agricola!“

„Gabriel!“

„Nach langer Trennung!“

„Endlich biſt Du da!“

Dies waren die Worte, welche der Schmied und der Miſ⸗ ſionär in brüderlicher Umarmung wechſelten. Dem alten Da⸗ gobert ſtanden die Thränen in den Angen. Es lag etwas Rührendes in der brüderlichen Liebe der beiden jungen Män⸗ ner, deren Herz ſo gleich und deren Character und Aeußeres

ſo verſchieden war. Das männliche Geſicht Agricola's hob die Zartheit der Züge Gabriel's noch mehr hervor.

„Ich war von meinem Vater auf Deine Ankunft vorberei⸗ tet,“ fuhr nach einer Pauſe Agricvla fort. „Ich war jeden Augenblick gefaßt, Dich zu ſehen, und doch iſt mein Glück . hundertmal größer, als ich erwartete.“

„Und meine gute Mutter?“ fragte Gabriel, dem alten Spl⸗ daten liebevoll die Hand drückend. „Sie haben ſie doch ge⸗ ſund angetroffen?“

„Ja, wackeres Kind! und ſie wird noch hundertmal geſün⸗

der werden, wenn ſie uns alle wieder beiſammen ſieht. Nichts

iſt ſo geſund, wie die Freude.“ Und zu Agrievla gewandt, der, ſeine Angſt vor Verhaftung vergeſſend, den Miſſionär mit dem Ausdruck brüderlicher Liebe betrachtete, fuhr Dagobert fort: „Und wenn man bedenkt, daß Gabriel mit ſeinem Mäd⸗ chengeſicht einen Löwenmuth beſitzt! Ich habe Dir's ja geſagt, mit welcher Unerſchrockenheit er die Töchter des Marſchalls Simon gerettet und auch mich zu retten verſucht hat.“

Gabriel hatte beim Eintreten ſeinen Hut abgelegt und ſtand jetzt am Fenſter, ſo daß das Licht auf ſein bleiches Geſicht fiel und die rothe Narbe auf ſeiner Stirn deutlich hervortre⸗ ten ließ. Agritola, der ihn aufmerkſam betrachtete, rief plötz⸗ ich „Aber Gabriel, was haſt Du denn auf der Stirn?“