iſt der Rath der ſchönſten Seele, die ich kenne. Du haſt mich beruhigt über dieſen Schritt, indem Du mich verſicherſt, daß das Herz des Fräuleins von Cardoville ſo gut ſey, wie
das Deinige.“
Bei dieſem aufrichtig gemeinten Vergleich, vergaß die Arme faſt alle ihre Schmerzen. Wenn Geſchöpfe, welche, wie ſie, zu Leiden geboren ſind, Schmerzen haben, die der Welt un⸗ hekannt bleiben ſo gibt es auch eben ſo unbekannte, beſchei⸗ dene Freuden für ſie. Ein liebreiches Wort, welches ſie in ihren eigenen Augen erhebt, thut ſolchen, an Schmach und Zweifel an ſich ſelbſt gewöhnten Weſen unendlich wohl. „Alſo es bleibt dabei?“ ſagte ſie. „Du gehſt morgen früh dem Fräulein? Mit Tagesanbruch ſieh' ich auf und gehe
r an die Thür, um zu ſehen, ob nichts verdächtiges
da iſt.“
„Gutes, treffliches Kind!“ ſagte Agricvla gerührt. „Du mußt ſuchen, vor dem Erwachen Deines Vaters fort⸗ zukommen. Das Quartier, in welchem die Dame wohut, iſt ſpo einſam, daß ein Gang dorthin faſt ſo gut iſt, wie ſich verſtecken.“
. „Ich meine, ich hörte die Stimme meines Vaters,“ ſagte Agricola. Er und die Mayeux horchten und vernahmen die Worte Dagobert's: „Schläfſt Du denn, mein Sohn? Mein ai Schlaf iſt vorbei, und die Zunge juckt mich teufel⸗ mäßig.“
„Geſchwind, Agricola!“ flüſterte die Mayeux. „Deine Ab⸗ wefenheit könnte ihn beunruhigen. Gehe aber ja morgen nicht eher aus, als bis ich Dir geſagt habe, daß ich nichts beunruhißendes geſehen habe.“
„Agricola!“ rief Dagobert lauter, „biſt Du denn nicht da?“
„Hier bin ich, Vater!“ rief der junge Mann, aus der Kammer der Mayeur heraustretend. „Ich habe einen Laden auf dem Boden zugemacht, den der Wind auf⸗ und zuſchlug. Ich fürchtete, der Lärm möchte Dich wecken.“
„Danke, mein Sohn. Aber nicht der Lärm hat mich ge⸗ weckt, ſondern ein raſender Hunger, mit Dir zu ſchwaßzen
Ein alter Knaſterbart von Vater, der ſeinen Sohn in acht⸗ zehn Jahren nicht geſehen hat, der iſt nicht ſo leicht ſalt zu machen!“ 2 4


