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Zimmer anbetrifft, wären wir im Reinen. Zetzt hätte ich noch einen andern Auftrag bei Ihnen auszurichten. Bevor ich zur Sache komme, muß ich Sie an etwas erinnern, was Sie viel⸗ leicht vergeſſen haben, denn es iſtfünfzehn bis ſechszehn Jahre 3 her. Der Herr Marquis von Aigrigny, welcher damals als Huſarenoberſt in Abbeville ſtand, hat einige Zeit hier zugebracht.“ „Ja wohl, Herr Rodin. O, das war ein ſchöner Officier! 6 So eben hab' ich mit meiner Frau von ihm geſprochen. Er war die Luſt des Schloſſes. Und wie ſpielte er Komödie! beſonders die Taugenichtſe! Z. B. in den beiden Edmund war er zum Todtlachen als betrunkener Soldat. Und dabei hatte er eine herrliche Stimme. Er hat hier Joconde ge⸗ ſungen, wie man ihn in Paris nicht ſingen würde.“
Rodin hörte den Verwalter wohlgefällig an und fuhr dann fort: „Sie wiſſen nun ohne Zweifel auch, daß der Herr Marquis von Aigrigny nach einem fürchterlichen Zweikampf mit dem General Simon, einem raſenden Bonapartiſten der Welt entſagt hat und in den geiſtlichen Stand getreten iſt. Ich habe die Ehre, ſein Seeretär zu ſeyn.“
„Iſt's möglich, Herr Rodin? Dieſer ſchöne Oberſt!“ 3 „Dieſer ſchöne, tapfere, edle, reiche, gefeierte Oberſt hat alle Vortheile dieſer Welt hingegeben und ein ärmliches ſchwarzes Gewand angelegt, und ungeachtet ſeines Namens, ſeiner Stellung, ſeiner Verwandtſchaft, trotz ſeinem Ruf als großer Prediger iſt er heute noch, was er vor vierzehn Jah⸗ ren war: ſchlechtweg Abbé, anſtatt Erzbiſchof oder Cardinal zu ſeyn, wie Andere, welche weder ſeine Verdienſte, noch ſeine Tugenden hatten.“
Rodin ſprach dieſe Worte in ſo gutmüthigem, aufrichtigem Ton, daß Dupont ganz hingeriſſen ausrief: „Ei, Herr Rodin, das iſt ja ganz herrlich!“
„Herrlich? Ach nein!“ erwiederte Rodin mit einem unnach⸗ ahmlichen Ausdruck von Herzenseinfalt. „Es iſt ganz einfach, wenn man das Herz des Herrn von Aigrigny hat. Und un⸗
tteter ſeinen ſchönen Eigenſchaften iſt die ſchönſte, daß er brave, 1 rechtſchaffene, ehrliche, gewiſſenhafte Leute nie vergißt. Da⸗ „mit iſt geſagt, daß er ſich Ihrer erinnert hat, lieber Herr Wie Der Herr Marquis hatte die Gnade gehabt — —2“


