Herzogs geſehen. Es muß ſich in dem großen lakirten Kaſten finden, zu welchem Sie den Schlüſſel haben.“ „Sie ſind alſo wohl ſo gütig, mich kaut der Vollmacht der Fürſtin von St. Dizier in dies Zimmer zu führen?“
„Ja, Herr Rodin. Die Fürſtin befindet ſich doch wohl?“
— .
„Vollkommen wohl, Sie iſt ſtets in Gott.“ „Und Fräulein Adriana?“
„Ach! lieber Herr!“ ſeufzte Rodin zerknirſcht und ſchmerzvoll. „ „Um Gotteswillen! ſollte dem guten Fräulein ein Unglück
zugeſtoßen ſeyn?“
„Wie verſtehen Sie das?“
„Sollte ſie krank ſeyn?“
„FRein — — nein — — Leider iſt ſie eben ſo geſund als ſchön!“ „Leider?“ wiederholte der Verwalter erſtaunt. „Ach ja! Wenn Jugend, Schönheit und Geſundheit ſich zu einem verzweifelten Geiſt der Widerſpenſtigkeit und Verkehrt⸗ heit geſellen, zu einem Charakter, der ſicher ſeines Gleichen nicht hat auf dieſer Welt, dann wäre es beſſer, dieſer gefähr⸗ lichen Güter beraubt zu ſeyn, welche eben ſo viele Urſachen des Verderbens werden. Aber ich beſchwöre Sie, lieber Herr 2 Dupont, laſſen Sie uns von andern Dingen reden. Dieſer Gegenſtand iſt mir zu peinlich,“ ſprach Herr Rodin mit tief bewegter Stimme und fuhr mit der Spitze des kleinen Fingers ſeiner linken Hand in ſeinen rechten Augenwinkel, als wollte er eine hervorquellende Thräne trocknen.
Der Verwalter ſah die Thräne nicht, allein er ſah die Be⸗ wegung, und er ward ergriffen von der gebrochenen Stimme des Herrn Rodin. Er erwiederte darum in gerührtem Ton: „Herr Rodin, verzeihen Sie meine unpaſſende Frage. Ich wußte nicht — —“
„Ich bitte Sie um Verzeihung wegen dieſer unwillkürlichen Rührung. Thränen ſind ſelten bei alten Leuten. Aber wenn Sie, wie ich, die Verzweiflung dieſer trefflichen Fürſtin geſehen hätten, die nur einen Fehler hat, daß ſie zu gut, zu ſchwach gegen ihre Nichte und ſo ſchuld geweſen iſt — — Aber noch⸗ mals, ſprechen wir von etwas anderem, lieber Herr.“ Er ſchwieg einen Augenblick, wie um ſich von ſeiner Gemüthsbe⸗
wegung zu erholen, und fuhr dann fort: „Alſo, was das grüne


