Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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Schauſpiel im Schloß. Wie verſtand der Oberſt, das ſchöne Geſchlecht in Feuer zu bringen! Wie ſpielte er Komödie! Ich erinnere mich — —“

Der Verwalter konnte nicht fortfahren. Eine dicke Magd, in der pieardiſchen Tracht und Haube, trat haſtig ein und ſagte zu Frau Dupont: „Madame, es iſt ein Mann da, welcher auf der Stelle mit Herrn Dupont ſprechen will. Er kommt von St. Valery in der Kutſche des Poſtmeiſters. Er ſagt, er hieße Herr Rodin.“

„Herr Rodin?“ wiederholte Dupont, indem er aufſtand. „Laß ihn ſogleich eintreten.“

Einen Augenblick nachher trat Rodin ein. Er war nach ſei⸗ ner Gewohnheit mehr als einfach gekleidet, und grüßte ſehr ehrerbietig den Verwalter und deſſen Frau. Letztere entfernte

ſich auf einen Wink ihres Mannes.

Das Leichengeſicht Rodin's, ſeine faſt unſichtbaren Lippen, ſeine kleinen, durch ſeine ſchlaffen Augenlieder halb verdeckten, Augen, ſeine faſt lumpigen Kleider gaben ihm ein nichts we⸗ niger als einnehmendes Anſehen. Und doch verſtand dieſer Menſch, im Nothfall, mit einer teufliſchen Kunſt ſo viel Gut⸗ müthigkeit und Aufrichtigkeit zu' erheucheln, ſeine Worte wur⸗ den ſo liebevoll, ſo einſchmeichelnd, daß allmählig der unan⸗ genehme, widrige Eindruck, den ſein Anblick zuerſt gemacht hatte, ſich verwiſchte, und daß er am Ende faſt immer den von ihm Berückten unwiderſtehlich in die krummen Gänge ſeiner honigſüßen, falſchen Schwätzerei verlockte. Man möchte ſagen, das Häßliche und das Böſe haben ihren Zauber, wie das Schöne und Gute. Der ehrliche Verwalter betrachtete dieſen Menſchen mit Verwunderung, indem er an die dringenden Empfehlungen des Intendanten der Fürſtin von St. Dizier dachte. Er hatte ſich eine ganz andere Perſon erwartet. Kaum im Stande, ſein Erſtaunen zu verhehlen, ſagte er: „Habe ich wirklich die Ehre, mit Herrn Rodin zu ſprechen?“ „Ja, Herr Dupont. Hier iſt ein neuer Brief vom Inten⸗ danten der Fürſtin.“ „Treten Sie gefälligſt an das Kamin, Herr Rodin, während ich dieſen Brief leſe. Es iſt ein ſo ſchlimmes Wetter. Kön⸗ ten wir Ihnen mit etwas aufwarten?“ 1