Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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— 48 % abgeſehen davon, daß ſie ihr Köpfchen hat. Erinnerſt Du Dich, wie vor zehn Jahren der Graf ſie hierher gebracht hat? Es war im Sommer. Welch ein kleiner Teufel! Und welche Augen! Wie funkelten ſie ſchon!“

„Es iſt wahr, das Fräulein hatte damals in ihrem Blick ſo einen Ausdruck, — der eben ganz ſeltſam für iht Alter war.“

„Wenn ſie gehalten hat, was damals ihr putziges Kobolds⸗ geſichtchen verſprach, ſo muß ſie jetzt eine ganz hübſche Perſon ſeyn, trotz der etwas kecken Farbe ihrer Haare. Denn, unter uns geſagt, wenn ſie eine Bürgerstochter wäre, anſtatt ein vornehmes Fräulein zu ſeyn, ſo würde man ſie kurz und gut einen Fuchs nennen.“

„Immer das böſe Maul!“

„Gegen Fräulein Adriane? Gott bewahre mich! Sie ſah

aus, als würde ſie nicht minder gut als hübſch werden. Ich will ihr nicht damit zu nahe treten, wenn ich ſage, ſie iſt ein Fuchs. Im Gegentheil. Ich erinnere mich, ihre Haare wa⸗ ren ſo fein, ſo goldglänzend, ſie paßten ſo gut zu ihrer ſchnee⸗ weißen Haut und ihren ſchwarzen Augen, daß man ſie wirk⸗ lich nicht anders hätte wünſchen mögen. Und ich bin über⸗ zeugt, daß jetzt dieſe Haarfarbe, welche Andern geſchadet ha⸗ ben würde, ihr Geſicht noch anziehender macht. Das muß ein wahres Teufelsgeſichtchen ſeyn!“ 3

„Etwas vom Teufel hatte ſie allerdings an ſich,“ ſagte Frau Dupont. „Immer im Park herumlaufen, ihre Gyuvernante raſend machen, auf die Bäume klettern, kurz alle möglichen Streiche machen — das war ihre Liebhaberei.“

„Ich gebe Dir zu, daß ſie ein eingefleiſchtes Teufelchen war. Aber, wie witzig, wie artig, und beſonders wie gut⸗ herzig war ſie auch!“

„Gut? — Jo, das war ſie. Hat ſie ſich doch einmal ein⸗ fallen laſſen, ihren Shawl und ihr neues Merinokleid einem armen Mädchen zu geben, und iſt im Unterrock und mit blo⸗ ßen Armen ins Schloß zurückgekommen.“

„Siehſt Du, ein gutes Herz! Aber auch ein Köpfchen! „Ja wohl, ein eigenſinniges Köpfchen!“ ſeufzte Frau Du⸗ pont. „Das konnte zu nichts gutem führen. Es ſcheint, ſie

macht in Paris Sachen — Sachen — —!“ Ei, was denn?“