Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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jetzt noch unerklärte Vorrücken der Cholera ſagte. Bekannt⸗ lich iſt ſie nie mehr als fünf bis ſechs Stunden Wegs täglich vorgegangen und nie iſt ſie an zwei Orten zu gleicher Zeit aufgetreten. Es iſt wirklich ſonderbar, wenn man auf den damals entworfenen Karten das langſame Vorrücken dieſer wandernden Plage verfolgt. Man erſtaunt, hier alle Eigen⸗ heiten der Reiſe eines Menſchen zu finden. Sie kam dahin und nicht dorthin. In einem Land wählte ſie gewiſſe Pro⸗ vinzen, in den Provinzen gewiſſe Städte, in einer Stadt ein gewiſſes Quartier, in einem Quartier eine gewiſſe Straße, in einer Straße ein gewiſſes Haus, um ſie heimzuſuchen. Sie hatte Orte, an denen ſie ſich länger aufhielt und raſtete, und ſetzte dann ihren langſamen, geheimnißvollen, ſchrecklichen Gang weiter fort.

Dieſe von dem Hindu hervorgehobenen Sonderbarkeiten mußten einen gewaltigen Eindruck auf den Neger und auf Faringhea machen, deren ganzes Thun auf dem Glauben an das Walten finſterer Mächte beruhte. Und wie ſtark mußte dieſer Glaube nicht ſeyn, wenn er ihnen die Mordwuth ein⸗ flößte! Sie waren Menſchen, die faſt immer ohne Veranlaſ⸗ ſung, ohne Haß tödteten, aus Mordluſt, um den Tod an die Stelle des Lebens zu ſetzen, um (wie einer der Ihrigen vor Gericht erklärt hat) aus einem Lebenden eine Leiche zu machen. Vertieft man ſich in die Frage nach der Urſache dieſer mon⸗ ſtröſen Erſcheinung, ſo kommt man zu dem Schluß, daß ein ſolches Prieſterthum des Mordes nur in Gegenden blühen kann, welche, wie Indien, mit dem Fluch der ſcheußlichſten Sklaverei, der unbarmherzigſten Ausbeutung des Menſchen durch den Menſchen beladen ſind. Eine ſolche Religion iſt der durch die Unterdrückung aufs Aeußerſte getriebene Men⸗ ſchenhaß. Vielleicht hat dieſe Mörderſecte, deren Urſprung ſich in die Nacht der Jahrhunderte verliert, ſich in dieſen Gegenden erhaltén, als die einzig mögliche Proteſtation der Sklaverei gegen den Despotismus. Oder hat vielleicht Gott

nach ſeinen unerforſchlichen Rathſchlüſſen Phanſegars geſchaffen,

wie er Tiger und Schlangen geſchaffen hat? Ein geheimniß⸗ volles Band verknüpft die Glieder dieſer heilloſen Congrega⸗ tion und reißt ſie von den andern Menſchen los. Sie haben ihre Geſetze und Gewohnheiten. Sisen einander