Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

„Das Traumgeſicht verfolgt ihn. Wie er ſo bleich iſt! — Horch! er ſpricht wieder.“

Der Hindu fuhr in ſeinem Traume fort: „Wanderer! un⸗ ſerer ſind drei. Wir ſind muthvoll. Wir haben den Tod in unſerer Hand. Du haſt uns dem guten Werke opfern ſehen. Sey mit uns — oder ſtirb! — O, welcher Blick! Nicht ſo! Sieh mich nicht ſo an!“ Bei dieſen letzten Worten machte er eine heftige Bewegung, als wollte er einen Gegenſtand, wel⸗ cher auf ihn zukäme, entfernen, und wachte auf. Er fuhr mit der Hand über ſeine ſchweißtriefende Stirn und ſah mit verſtörtem Blick umher.

„Bruder! immer dieſen Traum 2“ ſagte Faringhea zu ihm. „Für einen kühnen Menſchenjäger biſt Du ſchwachköpfig. Zum Gluck ſind Herz und Arm bei Dir ſtark.“

Der Hindu bedeckte ſeine Augen mit den Händen und ſagte nach einer Pauſe: „Lange hatte ich von dieſem Wanderer nicht geträumt.“

Faringhea zuckte die Achſeln und fragte: „Iſt er nicht todt? Haſt Du ihm nicht den Strick um den Hals geworfen?“

„Ja,“ antwortete der Hindu ſchaudernd.

„Haben wir nicht ſein Grab neben dem des Oberſten ge⸗ macht?“ fragte der Neger. „Haben wir ihn nicht, wie den

engliſchen Schlächter, unter dem Sand und den Binſen ver⸗

—

ſcharrt?“ „Ja,“ erwiederte der Hindu mit bebender Stimme „Wir haben ſein Grab gemacht, und dennoch — — Vor einem

Jahr wartete ich eines Abends vor dem Thor von Bombay

uf einen unſerer Brüder. Die Sonne war im Begriff, hin⸗

ter der Pagode öſtlich von dem Hügel unterzugehen. Ich

ſehe das Alles noch wie heute. Ich ſaß unter einem Feigen⸗

baum. Da hörte ich einen langſamen, feſten Tritt. Ich wandt

mich um. Es war er. Er kam aus der Stadt.“ „

„Traumgeſicht!“ ſagte der Neger. „Immer wieder das Traumgeſicht!“

„Traumgeſicht oder ſchwache Aehnlichkeit!“ fügte Faringhea

hinzu. 8

„Rein!“ betheuerte der Hindu. „An dem ſchwarzen Strich

auf der Stirn hab' ich ihn wieder erkannt. Es war er. Ich

war vor Schrecken wie gelähmt. Während ich ihn anſtarrte