Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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„Erinnerſt Du Dich nicht, daß vor fünf Jahren der grim⸗ mige Oberſt Kennedy, der Schlächter der Indier, mit zwan⸗ zig Pferden, vier Elephanten und fünfzig Dienern an den Ganges gekommen war, um den Tiger zu jagen?“

„Ja wohl,“ antwortete der Neger. „Und wir drei Men⸗ ſchenjäger haben eine beſſere Jagd gemacht, als er. Kennedy mit ſeinen Pferden, Elephanten und Dienern hat nicht ſeinen Tiger erlegt, und wir haben den unſrigen erlegt. Kennedy, der Tiger in Menſchengeſtalt, iſt in unſeren Hinterhalt gera⸗ then, und die Brüder vom guten Werk haben dieſe ſchöne Beute ihrer Göttin Bohwanie dargebracht.“

„Nun wirſt Du Dich auch erinnern, daß wir in dem Au⸗ genblick, wo wir zum dritten Mal den Strick um den Hals Kennedy's anzogen, plötzlich einen Wanderer gewahr wurden. Er hatte uns geſehen. Wir mußten uns ſeiner entledigen. Die Erinnerung an die Ermordung dieſes Menſchen verfolgt ihn im Traum.“

„Sie verfolgt ihn auch im wachenden Zuſtande,“ fügte der Neger mit einem bedeutungsvollen Blick hinzu.

„Horch!“ ſagte Faringhea. „Eben wiederholt er die Ant⸗ worten, welche uns der Wanderer gab, als wir ihm die Wah' ließen, zu ſterben, oder mit uns dem guten Werk zu dienen. Sie gehen ihm ewig im Kopf herum.“

Der Hindu ſagte im Traum Fragen und Antworten her, wie wenn er ein Verhörprotokoll deklamirte. „Wanderer! woher dieſer ſchwarze Strich auf Deiner Stirn von einer Schläfe zur andern? Dein Blick iſt traurig, wie der Tod. Biſt Du das Opfer von Ungerechtigkeit geweſen? Komm mit uns! Bohwanie rächt die Opfer. Du haſt gelitten? — Ja, viel gelitten. — Schon lange? — Ja, ſehr lange. — Du leideſt noch? — Stets. — Was haſt Du Dem zuge⸗ dacht, der Dich geſchlagen * — Mitleid. — Willſt Du Schlag mit Schlag vergelten? — Ich will Haß mit Liebe vergelten. — Wer biſt Du denn, daß Du Böſes mit Gu⸗ tem vergiltſt? — Ich bin Der, welcher liebt, leidet und vergibt.“

„Hörſt Du, Bruder? ſagte der Neger zu Faringhea. „Er hat die Worte nicht vergeſſen, welche der Wanderer vor ſei⸗ nem Tode ſprach.“