Zweites Kapitel.
Die Tätowirung.
Der bisher rein blaue Himmel nahm allmählig eine ins Grünliche fallende Färbung an. Ein röthlicher Dunſt um⸗ ſchleierte die Sonne und gab den Gegenſtänden ein Anſehen, wie wenn man ſie durch ein kupferfarbiges Glas betrachtete. Dieſe Erſcheinung, verbunden mit einer Steigerung der Hitze, iſt in dieſen Gegenden der Vorbote des Gewitters. Von Zeit zu Zeit ſpürte man einen ſchnell wieder vergehenden Schwefelgeruch, während zugleich, in Folge elektriſcher Strö⸗ mungen, die Blätter ſich bewegten und bald wieder unbeweg⸗ lich an ihren Stielen hingen. Die Hitze der mit ſcharfen Düften geſättigten Luft ward unerträglich. Dicke Schweiß⸗ tropfen perlten von der Stirn Dſchalma's, der noch immer in ſeinem entnervenden Schlummer lag.
Wie eine Schlange ſchlüpfte der Würger längs den Wän⸗ den des Ajupa hin und kroch auf dem Bauche bis zur Matte Dſchalma's. Auf ſeine Hände und ſeine Kuie geſtützt, mit 6 ausgeſtrecktem Hals und ſtierem Blick, glich er einem auf dem
Sprunge ſtehenden Raubthier. Anfangs waren ſeine häßli⸗ chen Züge unbeweglich wie die einer ehernen Maske, und nur eine leichte, krampfhafte Bewegung der Kinnladen ver⸗ rieth ſeine fieberhafte Aufregung. Allmählig theilte ſich aber die Bewegung all ſeinen Geſichtsmuskeln mit, und dieſe ver⸗ riethen den heftigen Kampf in ſeiner Seele zwiſchen der Mord⸗ luſt, welche die eben vollführte Erwürgung des Sklaven an⸗ gefacht hatte, und zwiſchen dem empfangenen Befehl, dem Kö⸗ nigsſohn nicht das Leben zu nehmen, ſondern ihm etwas an⸗ ders zu thun, was vielleicht ſchlimmer ſeyn ſollte. Zwei Mal griff er, bloß auf die linke Hand ſich ſtützend, mit der rechten nach ſeinem Strick, und zwei Mal ſenkte dieſe Hand ſich wie⸗ e auf den Boden. Die Mordluſt beugte ſich vor einem i deſſen Macht für den Malaien unwiderſtehlich war. —
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