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Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
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ſie erfüllte mit einer ſtandhaſten, unveränderlichen Er⸗ gebung den härteſten Dienſt. Und Frau Zimmermann verbündete ſich halb mit ihrer Magd zu dieſer kindiſchen, verächtlichen und feigen Verſchwörung gegen die Laden⸗ dienerin.

Ein viel ernſterer Umſtand noch trieb dann die Her⸗ zensangſt Louiſens auf die Spitze.

Der Gatte der Frau Zimmermann, der Reiſender für Modeartikel war, kehrte von einer ſeiner üblichen Rundreiſen nach Hauſe zurück. Er war ein gemeiner Menſch, der die Freiheit zu ſcherzen bis zur zügel⸗ loſeſten Grobheit übertrieb. Da er an eine Frau ver⸗ heirathet war, die immer kränkelte, ſo machte er gewöhn⸗ lich den Ladenmädchen den Hof, und aus einigen Worten, die dem Munde der Magd entſchlüpft, merkte Louiſe, daß die Perſon, welche ſie im Laden erſetzt, das Haus in Folge einer Eiferſucht der Frau Zimmermann hatte verlaſſen müſſen, einer Eiferſucht, die übrigens ſehr ge⸗ gründet war.

Als der Mann zurückgekehrt war, wurde er ſehr böſe über die Fortweiſung des jungen Mädchens, welches Louiſe erſetzt, und glaubte dieſe als eine Art Enſchädigung betrachten zu dürfen; ſie war noch jung und ſchön, und eines Tages erklärte er ihr unverſchämterweiſe, das, was er ſeine Liebe nannte, mit dem empörenden Cynismus des Mannes, der ſich ſagt:

„Am Ende bin ich's, der ihr den Lohn gibt!“

Die Frau des Deportirten war entſetzt. Bei dem geringſten Verdachte der eiferſüchtigen Frau Zimmermann mußte ſie erwarten, aus dem Hauſe gejagt zu werden. Sie benutzte daher auch einen Augenblick, wo ſie mit ihrem Herrn allein war, und ſagte, ſtatt den Elenden, den ſie zu ſchonen gezwungen war, nit ihrer Verachtung niederzuſchmettern, mit Thränen in den Augen zu ihm:

„Herr, üben Sie Großmuth aus! Meine zwei Kin⸗ der und ich würden in ein furchtbares Elend gebracht,