Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15⁵³

geſendet, beinahe noch unberührt in den Händen des Offiziers ſich befinde, der beauftragt iſt, die Geldſendun⸗ gen für die Deportirten zu überwachen. Aber, mein Freund, ich fürchte, daß Du Dir wegen uns Entbeh⸗ rungen auferlegſt und Du ſiehſt nun doch, daß das Schickſal von uns allen Dreien nach ſo grauſamer Un⸗ gewißheit endlich geſichert iſt.

Geſtern Abend, dem letzten Abende, den wir bei⸗ ſammen zubrachten, ſchweiften die Kinder und ich ein wenig aus; wir machten ein Feuer, zündeten eine Kerze an und wachten bis zehn Uhr Abends, wie in der guten Zeit. Leider, armer Freund! waren zwei Plätze in unſerer Mitte leer: derjenige Deiner Mutter und der Deinige! Aber wie immer, waret ihr in unſern Gedan⸗ ken anweſend. Ich habe es Dir ſeit dem unerſetzlichen Verluſt, den wir erlitten. oft geſchrieben, armer Freund, daß wir einen ſchwermüthigen Reiz empfinden, uns über unſere Mutter zu unterhalten. Die Kinder ſagten mir faſt täglich: — „Erinnerſt Du Dich, als die Großmutter uns dieſes oder Jenes ſagte? Erinnerſt Du Dich noch an den Tag, wo die Großmutter uns ſpazieren führte, u. ſ. w, u. ſ. w.“ Und dieſe unaufhörlich durch uns zurückgerufenen Erinnerungen haben, wie ich Dir ſchon ſagte, jenen ſüßen, zugleich traurigen Reiz, den man bei der Unterhaltung über eine abweſende, theure Perſon empfindet.

Während dieſem letzten Abende hat mich ein Zug ausgezeichneter Herzensgüte von Julchen bis zu Thränen gerührt. Unſere Kinder hatten von mir das Schickſal der Waiſen erfahren, welche Dein Verbannungsgenoſſe hinterlaſſen hat. Sie fühlten ein doppeltes Intereſſe, welches ihnen deren Unglück und die Gleichheit im Alter einflößte, und ſprachen oft von Peter, von Marie und dem kleinen Dominik, deren Namen ſie im Gedächtniß behalten hatten. Während unſerer Unterhaltung geſtern prieſen ſich nun unſere Kinder glücklich vb den Verhält⸗