„Und ich,“ antwortete ich, „hoffe und bin ver⸗
ſichert, daß Sie meinen Albert lieben werden, wie Sie Ihren Sohn lieben würden.“ Als unſere Uebereinkunft ſoweit getroffen war, wünſchte ich das Gemach zu ſehen, in dem Albert ſchla⸗ fen ſollte. Ach, mein Freund! da muß man das hüb⸗ ſche Zimmerchen unſerer Kinder aus der glücklichen Zeit vergeſſen! denn demſelben gleicht nichts weniger, als die Kammer, die ich da beſichtigte; aber es iſt wenigſtens eine in jeder Beziehung ſo geſunde Wohnung, als man ſie wünſchen kann. Es iſt wahr, die Wände ſind nackt und ohne Tapeten, aber ein großes Fenſter erhellt dieſes Gemach, das im Winter durch einen Ofen geheizt wird, der zum Trocknen des Holzes gebraucht wird. Ich wie⸗ derhole Dir, die Wohnung iſt geſund und ſehr luftig. Uebrigens habe ich auf den erſten Blick bemerkt, daß in der Wohnung der Frau Müller Alles äußerſt reinlich gehalten iſt; überall erkannte ich, daß da eine ſorgſame und ordnungsliebende Haushälterin geſchäftig geweſen. Darum wird der liebe Knabe, glaube mir, mein Ed⸗ mund, bei dieſen braven Leuten ſich ſo wohlbefinden, als es ein Lehrburſche immer kann, da er ja dieſe Stel⸗ lung entſchloſſen antritt.
Ich verließ den Kunſtſchreiner und wollte mich zu der Goldſchmids Wittwe begeben, als ich zufällig Frau Dübreul, unſrer Weißzengnäherin, begegnete.
Es gibt einen Gott für die Mütter, mein Freund!
„Gerade wollte ich zu Ihnen gehen, meine gute Frau Morand,“ ſagte Fran Dübreul zu mir. „Sie wiſſen, es war nicht Mangel an gutem Willen, wenn ich Sie und Ihre Fräulein Tochter nicht beſchäftigen konnte; nun habe ich Ihnen aber etwas vorzuſchlagen, das Ihnen vielleicht anſtändig ſein könnte, wenn Sie nicht zu ſtolz ſind.“
„Ich muß meinen Lebensunterhalt verdienen,“


