Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

143

„Mein Albert! — — mein Julchen!“ rief ich aus, „kommt, umarmt mich, meine Kinder — — kommt! — — ihr rettet uns.“

Sie liefen im Dunkeln herbei und warfen ſich an meinen Hals. Mit welch' trunkenem Entzücken drückte ich ihre lieben, angebeteten Kövfchen an mich! Sie fingen an zu weinen, als ſie hörten und fühlten, daß auch ich weine, denn mein Geſicht berührte die ihrigen. Aber welche ſüßen Thränen!

Als die erſte Gemüthsbewegung vorüber war, hiel⸗ ten wir uns in meinem Bette alle drei unſchlungen und ſchwatzten über unſere Entwürfe. Der Gedanke Alberts, den ſeine Schweſter ſo gut verſtanden und aufgefaßt hatte, war für mich ein Lichtſtreifen. Waren einmal unſere Kinder geborgen, ſo mußte ſich doch auch für mich ſelbſt eine Stelle finden und wäre es als Dienſt⸗ magd. Dieſer Gedanke hatte ſich mir oft aufgedrängt, aber ich hatte mir dann immer geſagt: „Und unſere Kin⸗ der? Was ſoll aus ihnen werden fern von mir?“ Wenn ſie nun aber als Lehrlinge angeſtellt würden, wäre dieſe Schwierigkeit gehoben.

Da nun einmal meine Einſicht durch die glückliche Eingebung Alberts geweckt war. ſchien mir ſein Wunſch ſehr ausführbar. Du erinnerſt Dich, der theure Knabe liebte es ſehr, Bretterſtücke auf dem kleinen Werkbank, den wir ihm als Spietzeug zum Reujahrsgeſchenk gaben, aufzunageln, zu hobeln und aufeinanderzupaſſen; er hatte ziemliche Begriffe vom Zeichnen, die ihm beim Erlernen eines Berufes nützlich ſein konnten, deſſen vollſtändige Aneignung Kenntniſſe im Linealzeichnen ver⸗ langt. Da erinnerte ich mich des Herrn Müller, des Kunſtſchreiners, der uns mehrmals Möbeln geliefert hatte; er iſt ein tüchtiger und ehrbarer Handwerker und eine Frau, die gewöhnlſch zu uns ins Haus kam, um die Beträge der Rechnungen einzuziehen, ſchien mir eine vortreffliche Perſon zu ſein. Ich erinnerte mich da⸗