Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142

„Ich erinnere mich daran, mein Kind; jenes kleine Mädchen war, wie mir die Frau ſagte, ihr Lehr⸗ mädchen.“

„Nun denn, Mama! Könnten denn Julchen und ich nicht auch Lehrlinge in irgend einem Berufe werden? Ich bin kein Kind mehr, ich bin jetzt über zwölf Jahre alt — — und dann, weißt Du, wenn mir unſer Vater an ſeinem Geburtsfeſte oder als Renjahrgeſchenk ein Spielzeug geben wollte, bat ich ihn immer um kleine Schreinerwerkzeuge. Das würde mich auch recht beluſti⸗ gen wenn ich Tiſchlerlehrling ſein könnte. Wohrlich! wahrlich! nnd ich rechne noch nicht einmal, daß ich Dich auf dieſe Weiſe vielleicht nichts mehr koſten würde — — nun, da wir ſo arm ſind — — —“

„Ach Gott! Mutter, Albert hat Recht!“ rief Jul⸗ chen aus. „Wenn man uns irgend wo als Lehrlinge annehmen wollte, hätteſt Du nichts mehr für uns aus⸗ zugeben.“ Dann fügte es mit einem Seufzer bei: „Das würde uns von Dir entfernen, es iſt wahr — — —“

„Aber Schweſterchen, wenn wir wie ſo viele andere Kinder in einem Inſtitute wohnten, wie ich ja auch während den letzten Monaten,“ erwiederte Albert, „wären wir nicht auch von der Mama getrennt?“

Hieranf fügten die Kinder. da ich nicht antwortete, über mein Stillſchweigen erſtaunt bei:

„Mutter! Mutter! Du antworteſt uns ja gar

nicht. — — Biſt Du erzürnt?“ O mein Edmund! mein Herz zerfloß in Thränen in köſtlichen, ſüßen Thränen. — — Sage mir, mein

Freund; iſt dieſer Gedanke, der ſich den Kindern guf⸗ drängte, dieſer Gedanke voll Verſtand, Hingebung, Muth und Arbeitsluſt, iſt derſelbe nicht eine ſüße Be⸗ lohnung für die Lehre und Beiſpiele, die wir ihnen ge⸗ geben haben? Ihr gutes Herz, ihre zärtliche Liebe fanden die Löſung der furchtbaren Schwierigkeiten, die mich ſeit langer Zeit mit Eutſetzen erfüllt hatten.