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ſeinem guten Willen die Arbeit zeitweiſe fehlt, — ein Mann findet wenigſtens in ſeiner körperlichen Beſchaffen⸗ beit, in ſeiner Stärke eine Stütze; er kann als Hand⸗ langer Steine tragen, als Auflader oder Ausläufer Laſten ſchleppen. Aber eine Frau! beſonders eine Frau, die an Wohlſtand gewöhnt iſt, eine Frau, die Mutter von zwei Kindern iſt — welche Hülfs⸗ quellen hat ſie in dieſer äußerſten Noth? — — — Sie hat keine, — — — oder denn, — — wenn ſie ſchön und jung iſt, hat ſie eine einzige, aber verab⸗ ſcheuungswürdige Hülfsquelle. — — — Ach! man weiß gar nicht, wie viele Frauen, die lange unbeſcholten waren, aber eines Tages von ihrem Gatten verlaſſen oder durch das Wittwenthum ins Elend geführt wurden, — wie viele Frauen leider in jener ſchrecklichen, äußer⸗ ſten Noth ſind, wo ſie ihre Kinder vor Kälte und Hunger ſterben oder um den Preis ihres mütterlichen Schamgefühls leben ſehen müſſen; — — — und dieſe Frauen — — ſchrecklicher Heldenmuth! — — wählen die Schande!!
Obgleich Loniſe noch jung und ſchön war, dieſer häßliche Gedanke kam ihr nicht in den Sinn; aber wenn ſie bedachte, daß vor Ablauf eines Monats ihr letzter Sou verausgabt ſein werde und daß ſie doch für den Unterhalt ihrer Kinder ſorgen müſſe, deren eines zwölf, das andere vierzehn Jahre alt war, da fragte ſie ſich: „Was ſoll ich thun?“
Konnten ſie und ihre Tochter eine gewinnreiche Be⸗ ſchäftigung durch Näharbeiten finden? Auf dieſe Hoffnung mußte man Verzicht leiſten; die Weißzengnäherin, an die ſich Louiſe gewendet, hatte der Mutter und der Tochter ein feines Hemd zu nähen gegeben, um ihre Arbeit be⸗ urtheilen zu können; da that ſich bald ihre Unerfahren⸗ heit in dieſer Art von Arbeit dar, welche ſchon eine ge⸗ wiſſe, geübte Fertigkeit verlangt. Es iſt gewiß, daß ihnen mit der Zeit und mit Geduld dieſe Arbeiten auch


