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Ich unterbrach meinen Brief, da ich eben ein paar Zeilen von jener armen Frau erhielt, welche die Kinder Deines Verbannungsgenoſſen, Herrn Sylvan, bei ſich hatte. Das Jüngſte der Kinder bleibt bei ſeiner Pathe, die Andern wurden heute in die Bettlerverwahrungs⸗ anſtalt von Orleans gebracht. — — Arme Weſen! — Ich ſchließe meinen Brief heute Abend noch nicht und wenn Julchen keine zu böſe Nacht gehabt hat, werde ich dieſe Kinder morgen früh beſuchen; Du wirſt ihrem Vater dann Nachricht von ihnen geben können. — — —
Gute Nacht, mein Freund! Ich bin müde; aber ich ſage Dir, ich ſchöpfe eine große Kraft aus der Schwierig⸗ keit der Verhältniſſe ſelbſt und finde in der braven Ho⸗ norine eine ebenſo nützliche als ergebene Stütze. Ich werde auch genöthigt ſein, dieſelbe noch einige Zeit in
meinem Dienſte zu behalten, denn es muß Tag und
Nacht bei Julchen gewacht werden und ich fürchte, ihm die vielfältige Sorgfalt, welche ſein Zuſtand erheiſcht, allein nicht widmen zu können.
Eben ging ich zum Bette des lieben Kindes. Seine Haut iſt immer noch glühend und trocken, ebenſo ſeine ſonſt ſo friſchen rothen Lippen; es iſt entſchlafen; wenn keine Beſſerung eingetreten iſt, ſo iſt doch wenigſtens auch keine Verſtärkung des Uebels erfolgt. Der Donnerſtag iſt
der achte Tag, — — — da wird ſich Alles entſcheiden. — — — Noch drei Tage voll ſolcher Herzensangſt! Doch hoffen wir! — — Hoffen wir!
Gute Nacht, mein Edmund! Auf Morgen! Während dieſer Nacht lag Julchen bald in tiefem, dumpfen Schlafe; bald war es ſehr aufgeregt; gegen drei Uhr Morgens ſtand ich auf, um Honorine abzu⸗ löſen und bei unſerm Kinde zu wachen. Daſſelbe hat einen Schimmer von Bewußtſein wiedergefunden, denn es drückte mir ſanft die Hand und ſagte: „Mama!“ Seit zwei Tagen iſt dies das erſte Mal, daß es mich wiedererkannte; das muß ein glückliches Anzeichen ſein⸗


