Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
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Julchens Zuſtand hoffen laſſe, antwortet er ſtets: „Vor dem achten Tage kann ich nichts Entſcheidendes aus⸗ ſprechen.“

Ach Gott! wann kommt er denn, dieſer achte Tag? — — Und uun, armer Freund, werde ich auf jenen Muth, jene Ergebung, jene Seelenſtärke angewieſen ſein, welche ich im Anfang meines Briefes anrief und von denen Du ſchon ſo manche Probe abgelegt haſt! Und nun werde ich Dir zurufen: Widerſtehe der Wucht des ſchrecklichen Schlages, der Dich trifft! Erhalte Dich uns, die auf der Welt Niemand mehr haben als Dich!

Ich will nicht etwa verſuchen, Dich über den Ver⸗ luſt unſerer guten Mutter zu tröſten! Man tröſtet ſich über einen unerſetzlichen Verluſt nicht, man tröſtet ſich darüber niemals! Und ſie wird in unſerer Familie eine Leere laſſen die von nun an nichts mehr ausfüllen kann. Deine Mutter war unſere Führerin, unſere Stütze, unſere Ermuthigung im Gerechten und Guten. Wir wandten uns immer an ihre hohe Einſicht, an ihre zärtliche Liebe zu uns, die ſie erleuchtete, wenn wir in unſerer Lebens⸗ richtung oder in der unſerer Kinder irgend einen Zweifel empfanden. — — — Mit einem Worte: ſie zeigte uns den Weg, dem wir zu folgen hatten, und dieſer Weg wich niemals von dem engen Pfade der Fflicht ab; die

Pflicht, dieſes einzige Wort umfaßte alle Lehren der⸗

jenigen, die wir beweinen. Du wurdeſt von ihr aufer⸗ zogen und haſt Dich ſtets als ihr würdiger Sohn gezeigt. Auch ich werde mich nun beſtreben, Deiner würdig zu ſein. O! glaube mir, mein Edmund! welches auch das Loos ſei, das die Zukunft uns vorbehält, wir werden, wie unſere Mutter im Sterben ſagte, „Dich ſegnen, Dich verherrlichen ſelbſt in Deinen und unſern Leiden,“ edler Märtyrer der Pflicht, die immer der Führer durch Dein Leben als Sohn, als Gatte, als Vater und als Bür⸗ ger war.

O Edmund! welch' ein heiliger Tag wird der ſein,

—.