121
ihrer Nähe; es war ihr noch ein Schimmer von Be⸗ wußtſein geblieben; ſie konnte ihre Hand auf die Schulter Alberts erheben und machte darauf eine leichte Bewe⸗ gung, um ihn an ſich zu drücken. — — — Dann ent⸗ wand ſich ein letzter Seufzer ihrer Bruſt und ſie ſprach Deinen Namen aus. — ₰ — Ja, das letzte Wort, das ſie ausſprach, war Edmund.
Ihr Todeskampf und ihr Ende, mein Freund,
waren wenigſtens ſanft. — — — Um drei Uhr und zehn Minuten Morgens hat ſie dem Himmel ihre Seele zurückgegeben.
Der Arzt, den Albert herbeigeführt hatte, verſicherte mir — trauriger Troſt! — daß nach den heftigen Auf⸗ regungen dieſer Nacht keine Hülfe der Kunſt mehr im Stande geweſen wäre, unſere Mutter zu retten. — —— —
Ich hatte Julchen in ſein Bett zurückgetragen und der Arzt prüfte ſeinen Zuſtand. — Es blieb für ihn kein Zweifel mehr, es war von einem Schwitzfieber an⸗ gegriffen. Er ſchrieb nun ſehr ſtarke Arzneimittel vor und fährt damit heute noch fort; ſeit drei Tagen kam er täglich vier bis fünf Mal. Er zweifelt nicht, daß Julchen gerettet werden kann, aber es iſt Alles zu fürch⸗ ten bis zum achten Tage, der Zeit, wo eine entſcheidende Kriſe dieſer Krankheit eintritt. — — — Da beim Schwitzfieber bei den Kindern eine Anſteckung unver⸗ meidlich iſt, hat der Arzt förmlich erklärt, Albert würde davon überfallen, wenn man ihn nicht von ſeiner Schwe⸗ ſter entferne. So mußte ich mich denn auch von dieſem theuren Kinde trennen, dem einzigen Troſte, der mir noch blieb, da Deine Mutter todt und mein Töchterlein ſterbenskrank war. Dieſer Entſchluß marterte mein Herz⸗ aber ich zögerte nicht. Jede fernere Stunde, die er in der Nähe Julchens zubrachte, wurde für ihn gefahrbrin⸗ gend. Sobald es Tag wurde, ſchrieb ich dem Vorſteher des Inſtituts, in dem unſer Sohn war, und bat ihn, denſelben während einiger Zeit zu ſich zu nehmen; er


