Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
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cken überfallen, beinahe ohne alle Verhüllung einem durchdringenden Nordoſtwinde ausgeſetzt werden! Dieß konnte für eine Frau von ihrem Alter ein tödtlicher Schlag werden. — — Ich ſagte auch zu Albert:

„Mein Kind, wir müſſen Alle Muth faſſen! Kleide Dich ſchnell an und hole für Deine Großmutter eiligſt den Arzt herbei. Fürchte Dich nicht; in dieſen Zeiten ſind die Straßen ſicher, man begegnet bei jedem Schritte Soldaten.“

„Sei ruhig, Mama, ich werde mich nicht fürchten,“ antwortete mir der arme Knabe entſchloſſen, indem er ſich haſtig ankleidete.

In dieſem Augenblicke lag Julchen, das nun eben ſo abgemattet als vorher aufgeregt war, bewegungslos in meinen Armen. Da ich keine Zeit hatte, ſein Bett wieder zu machen, weil ich zu Deiner Mutter zurück⸗ kehren wollte, deren Zuſtand mich mit Schrecken erfüllte, ſo hüllte ich unſer Töchterlein in eine Decke und legte es auf eine der Matrazen in unſerm Zimmer nieder; dann eilte ich zu Deiner Mutter. Ich hob ihr Bettgeſtell wieder auf und richtete das Bett, ſo gut ich kounte, wieder ein. Dann nahm ich ſie, die ganz ohnmächtig war, auf meine Arme und legte ſie nieder, nachdem ich ihr verwirrtes Haar wieder geordnet hatte.

Es verging einige Zeit bis zur Ankunft des Arztes, den Albert herbeiholte. Unſere Mutter wurde ſchwächer und ſchwächer und trotz meiner Bemühungen, ſie wieder zu erwärmen, zitterte ſie fortwährend und blieb eiſig kalt. Eine halbe Stunde vorher hatte ich ſie vergeſſen, um an meine Tochter allein zu denken, und in dieſem Angenblicke vergaß ich ob ihr meine Tochter. Ich ſuchte ſie wieder zu beleben, indem ich ihre Schläfe mit kölniſchem Waſſer rieb und ſie einige Tropfen einathmen ließ, als ich Julchen nach mir rufen und klägliche Seufzer ausſtoßen hörte. Was ſollte ich thun? mein Gott! was ſollte ich thun! Ich war allein und hatte