ſetzte ſich aufrecht hin; ihr ehrwürdiges, von dem langen weißen Haare umgebenes Geſicht drückte einen vernich⸗ tenden Unwillen aus, und ſie rief:
„Hinaus, mein Herr! hinaus! Sie achten weder das Alter, — — noch die Kindheit. Sie werden verflucht ſein vor Gott und den Menſchen. — — Gehen Sie hinaus!“
„Madame,“ antwortete der Hauptmann, ſeine Augen vor dem impoſanten Blicke Deiner Mutter nieder⸗ ſchlagend, — ich bin genöthigt, meine Befehle zu voll⸗ ziehen. „ —
„Der, den Sie ſuchen, iſt nicht hier,“ nahm Deine Mutter mit geſchwächter Stimme wieder das Wort; „ich habe es Ihnen geſagt und ich verbiete Ihnen, an dem Worte ziner Sterbenden zu zweifeln; denn ich fühle es, — — — ich werde die Gemüthserregung dieſer Nacht nicht überleben. — — Gehen Sie fort, mein Herr! Laſſen Sie mich wenigſtens in Frieden in den Armen meiner Tochter und ihrer Kinder ſter⸗ ben. — —
Die Stimme, der Ausdruck und die Haltung Deiner Mutter übten ſolche Gewalt auf dieſe Soldaten aus, daß ſie nicht länger zu widerſtehen wagten und ſich zu⸗ rückzogen.
Ich blieb mit unſerer Mutter und den Kindern allein in unſerer zerſtörten Wohnung. Ich hielt immer noch Julchen in meinen Armen; ſeine weniger krampf⸗ haften Bewegungen verkündeten das Ende ſeines An⸗ falls; aber ſein Geſicht, welches das meinige berührte, ſeine Schultern, ſeine Hände und ſeine Füße waren er⸗ ſtarrt von der Kälte der Mitternacht. Die letzten Worte Deiner Mutter hatten ihre Kräfte erſchöpft; ſie fiel auf ihre Matraze zurück. Ach! kaum war ſie auf dem Wege der Wiedergeneſung, nur ſorgfältige und vorſich⸗ tige Behandlung konnte ſie aufrecht erhalten, da mußte ſie gus dem Schlafe gufgeſchreckt und von ſolchem Schre⸗


