Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
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vor Froſt, denn zwei Schritte von ihr ließ ein Fenſter, das die Soldaten geöffnet hatten, wie dasjenige in un⸗ ſerm Zimmer, eine eiſige Kälte einſtrömen. Ein Bein unſerer Mutter, das nackt und abgemagert unter dem Tuche hervorſah, wäre beinahe unter dem beſpornten Abſatze eines der Gendarmen gebrochen worden, der ſich bückte, um mit der Laterne in der Hand das Innere des Rauchfangs zu unterſuchen. Unſere Mutter ſtieß einen Schrei des Schmerzes aus; als ſie mich dann aber mit Julchen, das ſich in meinen Armen ſträubte, eintreten fah, beruhigte ſie ſich und ſagte zu mir:

„Luiſe, was wir dulden, iſt nichts gegen das⸗ jenige, was mein Sohn leidet, — — — was mein Sohn noch leiden wird!“

„Albert“ — rief ich aus, „ſchließe ſchnell das Fenſter, deſſen Luftzug Deine Großmutter erſtarren macht“

Das Kind gehorchte. In dieſem Angenblicke ſagte der Hauptmann, der über die Nutzloſigkeit ſeiner Nach⸗ forſchungen wüthend war, mit faſt drohender Miene zu mir:

„Scipio David war hier, — — Frau Morand, Sie waren von unſerer Ankunft benachrichtigt und ha⸗ ben ihn entſpringen laſſen!“

„O! mein Herr!“ ſchrie deine Mutter, — „genügt es denn nicht, die Wohnung zweier Frauen, von denen eine in meinem Alter iſt — — und die andere bei einem kranken Kinde wacht, auf dieſe Weiſe zu überfallen? — — Dürft ihr es noch wagen, uns zu drohen? — (Zu mir gewendet): — Ach welches Glück, daß Edmund nicht hier iſt!“

„Scipio David muß ſich vorfinden!“ ſchrie der Hauptmann mit dem Fuße ſtampfend. „Ihr ſeid für ſeine Flucht verantwortlich.“

Bei dieſen ungerechten und harten Worten ward unſere Mutter von einer erhabenen Würde erfüllt; ſie