Druckschrift 
Johanne und Louise oder Die Familien der Deportirten / von Eugène Sue ; Deutsch von Julius Werner
Entstehung
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ſie beide zu beſorgen! Da erwachte Deine Mutter aus ihrer Ohnmacht und öffnete die Augen; ſie nahm meine Hand in die ihrige, die ſchon kalt war, und ſagte zu mir mit erloſchener Stimme:

„Luiſe, — — ich ſterbe, — — verlaſſe mich nicht. — — —“

„Mutter, beruhigen Sie ſich, der Arzt wird gleich kommen.“ — — —

Es iſt zu ſpät. — — — mein Kind, — — — das Leben entflieht mir; — — höre meine letzten Worte, — — — Du mußt ſie meinem Sohne — — meinem Edmund wiederſagen.“

Sie hielt meine Hand mit ſchwacher Kraft in der ihrigen zurück und ſchien ſich zu ſammeln. O! mein Freund! ich möchte Dir den Ausdruck ihres ehrwürdigen Geſichtes in dieſem letzten Augenblicke malen können. — — In Deinem Schmerze mußt Du, ich fühle es, begierig wünſchen, die Umſtände dieſes impoſanten Todes bis ins Kleinſte kennen zu lernen, um Dein Andenken an die, welche wir beweinen, zu bereichern. Ihre bleichen Geſichtszüge drückten kein körperliches Leiden aus; die Schlingen ihrer weißen Haare umrahmten ihre ſchöne Stirne; ihre ſo ſanft blauen Angen waren halb ge⸗ ſchleſſen; aber das Leben, aber der Geiſt leuchtete noch daraus hervor; ihr Haupt ruhete nach mir gewendet auf dem Pfühl; ſie betrachtete mich ſtillſchweigend mit einem Ausdruck wahrer Engelsgüte. Meine Kräfte verließen mich; ich ſiel am Kopfende ihres Bettes auf die Kniee nieder und bedeckte mit Thränen und Küſſen ihre armen, erkalteten Hände, aus denen ich ſozuſagen das Leben ſich nach und nach zurückziehen fühlte, um nach dem Herzen zurückzuſtrömen, das zuletzt ſterben ſollte.

In dieſem doppelt grauſamen Augenblicke hörte ich Julchen mit kläglicher Stimme murmeln: „Mama!! „Mama!“ — — Ach! ich konnte Deine Mutter nicht ver⸗ laſſen. Ihr geſchwächtes Gehör ließ ſie den kläglichen