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ſeit den Dezember⸗Ereigniſſen hatte ich Herrn Scipio David, der, wie man mir ſagte, nach Belgien geflohen iſt, nicht mehr geſehen. Aber ſchon hörte ich das Schre⸗ ckensgeſchrei der Kinder, die nach mir riefen, und ich unterſchied die Stimme Julchens, welche durchdringender war als die ihres Bruders und deren Ausdruck herzzer⸗ reißend wurde. Die Stunde ihres Fieberanfalls war gekommen und der Schrecken mußte ſeine Heftigkeit ver⸗ doppeln. Ich machte eine verzweifelte Anſtrengung, mich den Händen des Hauptmanns zu entziehen und rief:
„Es iſt ja Niemand hier verborgen, ich“ ſchwöre es bei dem Leben meiner Kinder! — — Mein Töchter⸗ lein iſt krank, meine Mutter iſt kaum auf dem Wege der Geneſung; laſſen Sie mich los, mein Herr, aus Mitleid laſſen Sie mich los!
Da der Hauptmann ohne Zweifel vorausſetzte, daß es mir nun nicht mehr möglich wäre, den Flüchtling, den man ſuchte, zu warnen, hielt er mich nicht länger zurück und ſagte:
„Meine Befehle ſind ſtreng, Frau Morand, and ich muß ſie vollziehen: Seipio David iſt hier, — — — liefern Sie ihn aus und ich ziehe mich zurück.“
Ich antwortete ihm nichts, ſo aufgeregt war ich. Er folgt mir, ich ſpringe in mein Zimmer: Julchen, eine Beute fiebriſcher Geiſtesverwirrung, war mit bloßen Füßen und im Hemde, mit über die Schultern zerſtreut herabhängendem Haare ans dem Bette geſprungen, und ſchrie in ſeiner Verwirrung:
„Vater! — — Vater! — — zerſchneide die Stricke, die Deine Hände feſſeln! — — — Zerſchneide ſie, — — — da iſt ein Meſſer!“
Albert, wie ſeine Schweſter halb entblößt aufge⸗ ſtanden, ſchluchzte laut und machte vergebliche Anſtren⸗ gungen, ſie zurückzuhalten, während er mir zurief:
„Mutter! ach Gott! Julchen iſt verrückt!“
Während dieſer troſtloſen Scene warfen die Solda⸗
Johanne und Louiſe. 8


