11⁰ Dezember 1851. „Edmund! — — mein heißgeliebter Edmund! Der
Arzt verzweifelt noch nicht an Julchens Rettung, obgleich das Schwitzfieber ſich nun erklärt hat. —
Albert iſt ein Engel. Er zeigt eine Hingebung,
die ſein Alter überſteigt.
Und ich! ich ſchöpfe aus dieſen Umſtänden eine dop⸗ pelte Kraft; ich befinde mich wohl.
Bis hierher findeſt Du in dieſem Briefe nur Beru⸗ higendes für Dich. — — Und doch, mein Edmund, wirſt Du niemals — — — verſtehſt Du wohl! — — nie⸗ mals mehr Muth, mehr Ergebung ins Schickſal als heute nöthig haben.
Edmund, ich errathe deine Herzensangſt; — — ich ſpreche von unſern Kindern und von mir, — — und ich ſpreche Dir nicht von Deiner Mutter; — — — ich
ſpreche nicht mehr von Deiner Mutter! — — — Du haſt mich verſtanden. — — —
Ach! — — — wenn ich mich nicht an eine ſo feſte Seele wie die Deinige zu wenden hätte, ich würde mehr Vorſicht gebraucht haben, um Dir dieſen fürchterlichen Schlag anzukündigen.
Und nun, mein Freund, weine! beweine dieſe ver⸗ ehrungswürdige Mutter, wie wir ſie beweinen; laß Deine Zähren fließen! laß die Thränen hervorſtürzen, die Dein Herz zerreißen! — — —
Dann wirſt Du im Leſen dieſes Briefes fortfahren können; denn in dieſem Angenblicke könnteſt Du es nicht. — — —
Der Schlag iſt fürchterlich, nicht wahr, mein Ed⸗ mund? — So fürchterlich, als unerwartet!! Auch für uns kam er unerwartet! Arme, gute Mutter! Wenn auch noch ziemlich ſchwach, war ſie doch auf dem Wege der Beſſerung. Gute Beſorgung, Ruhe und hauptſächlich die Vermeidung jeder lebhaften Gemüths⸗


