Teil eines Werkes 
6. Band (1843)
Entstehung
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mich auf das Schaffot bringen. — Meine Ehre, mein Leben liegt jetzt in Deiner Hand.“ „Deine Ehre?“

„Meine Ehre. — Höre mich an. — Vor zehn Jahren hatte man mir ein Kind, zweimalhunderttauſend Francs für daſſelbe übergeben; ich ſtieß das Kind in die Welt hinaus, gab es durch

einen falſchen Todtenſchein für todt aus und behielt das Geld. —

„Das iſt klug und fühn; — wer hätte das von Dir ge⸗ glaubt?“

„Höre weiter. — Ich haßte meinen Caſſirer. Eines Abends hatte er mir ein wenig Gold genommen, das er mir am andern Tage zurückbrachte; aber um den Elenden zu verderben, beſchul⸗ digte ich ihn, er habe mir eine bedeutende Summe geſtohlen. Man glaubte mir und warf ihn in das Gefängniß. — Liegt nun meine Ehre in Deiner Hand?“

„Ach, Du liebſt mich, Jacob, Du liebſt mich! — Welche Gewalt habe ich über Dich, da Du mir ſolche Geheimniſſe an⸗ vertrauſt! — Ich werde nicht undankbar ſein, — reiche mir dieſe Stirn, in welcher ſolche teufliſche Gedanken erſtanden ſind, — da⸗ mit ich ſie küſſe —“

„Ach,“ rief der Notar ſtammelnd aus, — „und wenn das Schaffot hier ſtände, ich würde nicht zurückweichen. — Höre wei⸗ ter. — Das Kind, das von mir verſtoßen war, fand ſich wieder ₰ auf meinem Wege; ich fürchtete es — und ließ es umbringen.“

„Du? — Und wie? Wo?“

„Vor wenigen Tagen, — bei der Brücke von Asniöres, — an der Inſel des Ausſuchers. — Ein gewiſſer Martial hat ſie in dem Fluſſe erſäuft. — Sind das genug Einzelnheiten? Willſt Du mir glauben?“ „O, Du Teufel — aus der Hölle, — Du erſchreckſt mich, und doch zieht es mich hin zu Dir, doch weckſt Du die Leiden⸗ ſchaft in mir. — Welche Macht beſitzeſt Du?“

„Höre weiter. — Vorher hatte mir ein Mann hunderttauſend Thaler übergeben, — ich lockte ihn in einen Hinterhalt, — jagte ihm eine Kugel durch den Kopf, — bewies, daß er ſich ſelbſt das Leben genommen und leugnete das Geld ab, das ſeine Schweſter zurück⸗ forderte. — Jetzt liegt mein Leben in Deiner Hand — Oeffne!“ „Jacob —, ich bete Dich an!“ ſprach die Creolin. Wenn mir tauſendfacher Tod droht, ich trotze ihm!“ entgeg⸗ nete der Notar im höchſten Sinnenrauſche. — „Ja, Du hatteſt