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Das Geſicht des Chourineurs röthete ſich; ſeine Blödigkeit ſchwand, und er ſprach mit feſter Stimme:
„Um mich zum Stehlen zu verleiten, bieten Sie mir ſo vie⸗ les Geld nicht, das weiß ich; — übrigens habe ich nie in mei⸗ nem Leben geſtohlen. — Vielleicht ſoll ich einen Mord begehen, — aber ich habe zu viel von dem Feldwebel geträumt,“ ſetzte der Chouri⸗ neur mit dumpfer Stimme hinzu.
„O, die Unglücklichen!“ rief Rudolph bitter aus. „Finden ſie ſo ſelten Mitleiden, daß ſie ſich die Freigebigkeit nur durch Verbrechen erklären können?“ Dann wendete er ſich an den Chvu⸗ rineur und ſagte in ſehr mildem Tone zu ihm: „— Sie beur⸗ theilen mich falſch, — Sie irren ſich. — Ich verlange von Ihnen nur — Ehrenvolles. Was ich Ihnen gebe, gebe ich Ihnen blos, weil Sie es verdienen.“
„Ich!“ entgegnete der Chyurineur, deſſen Staunen ſich von Neuem ſteigerte, „ich verdiene es, und wodurch?“
„Das will ich Ihnen ſagen. Obgleich Sie keinen rechten Begriff von Recht und Unrecht haben, ob Sie gleich Ihren wil⸗ den Inſtincten überlaſſen waren, funfzehn Jahre mit den ſchreck⸗ lichſten Verbrechern im Bagno leben mußten, durch die Noth, den Hunger, durch den Widerwillen der ehrlichen Menſchen genöthigt wurden, fortwährend mit dem Auswurfe der Geſellſchaft umzuge⸗ hen, ſind Sie doch nicht blos brav geblieben, ſondern die Reue uber Ihr Verbrechen hat ſogar länger gedauert als die Buße, welche die menſchliche Geſellſchaft Ihnen auferlegte —.“
Dieſe einfache, edle Sprache war eine neue Ouelle des Er⸗ ſtaunens für den Chourineur. Er ſah Rudolph mit einem Ge⸗ fühle von Achtung, Scheu und Dankbarkeit an, konnte aber immer ſeinen Ohren nicht glauben.
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