Teil eines Werkes 
2. Band (1843)
Entstehung
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5 er nicht glauben, was er hörte. — Zwiſchen der tiefen Armuth und Erniedrigung, in welcher er immer gelebt hatte, und der Stellung, welche ihm jetzt Rudolph ſicherte, lag ein Abgrund, den ſelbſt der Dienſt nicht ausfüllte, welchen er Rudolph geleiſtet hatte.

Rudolph beeilte den Angenblick nicht, in welchem ſein Schütz⸗ ling endlich die Wirklichkeit mit klarem Blicke anſehen würde, ſondern weidete ſich vielmehr an dem Staunen, an der Betäubung deſſelben. —

Er ſah mit einem unbeſchreiblichen Gefühle von Freude und Schmerz, daß manche Menſchen ſo ſehr an Leiden und Unglück gewöhnt ſind, daß ihr Verſtand nicht einmal die Möglichkeit einer Zukunft anerkennt, welche für eine ſehr große Anzahl eine nicht eben beneidenswürdige Eriſtenz ſein würde.

Wenn der Menſch, dachte er, jemals, wie Prometheus, einen Strahl der Gottheit geraubt hat, ſo geſchah es in den Augenblik⸗ ken, in welchen er (man verzeihe dieſe Blasphemie!) das that, was die Vorſehung von Zeit zu Zeit zur Erbauung der Welt thun ſollte, nämlich den Guten und den Schlechten einen Beweis geben, daß es für die erſtern eine Belohnung, für die letztern eine Strafe giebt.

Nachdem er ſich ſo eine Zeitlang an der Verblüffung des Chourineurs geweidet hatte, fuhr Rudolph fort:

„Das, was ich Ihnen gebe, ſcheint Ihre Hoffnung weit zu übertreffen.“

„Gnädigſter Herr,“ entgegnete der Chourineur, indem er auf⸗ ſprang, — „Sie bieten mir dieſes Haus und viel Geld an, um — mich in Verſuchung zu führen; aber ich kann nicht —“ „Was können Sie nicht?“ fragte Rudolph verwundert.