19
Es würde ſehr ſchwer geweſen ſein, den Zügen Ru dolph's einen beſtimmten Character unterzulegen, denn et vereinigten ſich in ihnen die ſeltſamſten Widerſprüche Sein Geſicht war vollkommen ſchön, zu ſchön vielleicht für einen Mann. Seine zarte, blaſſe Geſichtsfarbe, ſeine großen braunen Augen, die immer halb geſchloſſen und mit leichten blauen Ringen umgeben waren, ſeine nach⸗ läßige Haltung, ſein zerſtreuter Blick, ſein ironiſches Lä⸗ cheln ſchien in ihm den überſättigten Mann zu zeigen, deſſen Geſundheit wenn nicht zerrüttet, doch durch ariſto⸗ kratiſche Ausſchweifungen eines üppigen Lebens ge⸗
ſchwächt iſt.* Und doch hatte Rudolph mit dieſen feinen, weißen Händen einen der ſtärkſten Banditen zu Boden geworfen der von dem ganzen Viertel gefürchtet wurde. Wir ſagten vorhin von „ariſtokratiſchen Ausſchwei⸗ fungen,“ weil der Rauſch von edelem Weine gewiß ein 5 ganz anderer iſt, als der, den ein ſchlechtes, verfälſchtes 6 Getränk verurſacht; weil, mit einem Worte, in dem Auge des Veobachters ſich Ausſchweifungen ebenſo verſchieden⸗ artig in den Wirkungen, wie in der Natur und Beſchaf⸗ * fenheit äußern.
Einige Falten auf Rudolph's Stirn verriethen den tiefen Denker, den wahrhaft ſinnenden Mann, und doch erkannte man in den feſten Umriſſen ſeines Mundes, die kecke, ſelbſt ſtolze Haltung ſeines Kopfes, den handeln⸗ den Mann, deſſen Körperkraft, deſſen Muth nie ihren Eindruck auf die Menge zu machen verfehlen.
Oft athmete ſein Blick eine tieſe Melancholie, danm lag in ſeinen Zügen das tiefſte Mitleid, des Mitgefühl. Bald darauf konnte ſein V


