Gemahlin Wolfrangs erblickt; ſie kann ſich nicht denken, welchen Zweck dieſer Beſuch haben ſoll, wel⸗ cher ihr in Folge der unſeligen Vorurtheile, die der geſtrige Skandal gegen ſie hervorrufen mußte, ſelt⸗ ſam, ja beinahe unerklärlich erſcheint. Gleichwohl verbeugt ſie ſich höflich vor der jungen Dame, und führt ſie ſchweigend in ihren Salon. Kaum ſind ſie eingetreten, als Sylvia, die ihre Thränen nicht zu⸗ rückzuhalten vermag, in einer Regung unwiderſteh⸗
licher Sympathie der Sängerin um den Hals fällt
und ſchluchzend zu ihr ſagt:
„Arme Antonine! wie müſſen Sie geſtern gelitten haben!“
Dieſer Beweis von rührender Theilnahme über⸗ raſcht das junge Mädchen und macht einen lebhaften Eindruck auf ſie. Gleichwohl verräth Nichts an ihr jene Beſchämung, in welche wir häufig durch Kund⸗
gebungen eines unverdienten Wohlwollens verſetzt
werden.
Nein, Antonine ſchlägt die Augen nicht nieder;
ihr ehrlicher, zuverſichtlicher Blick ſucht im Gegen⸗ ſe den der jungen Dame und ſcheint zu ihr zu agen: „Danke! Sie haben mich gut beurtheilt, obſchon der Schein ſtark gegen mich zeugte.“
Dieſer Blick würde genügt haben Antonine zu rechtfertigen, ſelbſt wenn Wolfrang nicht am vor⸗ hergehenden Abend, ohne ſich weiter zu erklären, ſeine Gemahlin verſichert hätte, daß die junge Künſt⸗ lerin nicht blos unſchuldig ſei, ſondern auch wie Herr Dubousquet muthvoll ein großherziges Opfer bringe. „Ja, ich habe ſehr gelitten,“ antwortete Anto⸗
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